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Käthe Kollwitz Museum in Köln: Max Uhligs faszinierende Kunst - Charakterköpfe im Liniennetz

Käthe Kollwitz Museum in Köln : Max Uhligs faszinierende Kunst - Charakterköpfe im Liniennetz

An zwei Krücken führt uns der gebeugte Mann im Käthe Kollwitz Museum durch "Kostpröbchen" seines Lebenswerks und wirkt ungeheuer vital. Hier beschreibt er die Tücken der Kaltnadeltechnik, "bei der die Nadel in die Platte fährt wie der Pflug in den Acker", dort schwärmt er von Marino Marinis Skulpturen, die ihn zu Porträts inspirierten.

Der Dresdner Max Uhlig (75) ist Widerstände gewöhnt. Zum einen buchstäblich: "Ich habe aus der Not heraus den Steindruck zu meinem Broterwerb gemacht und fast 20 Jahre lang an einer schwergängigen Presse gearbeitet, die eigentlich für zwei Männer ausgelegt war." Daran mit bis zu zwei Zentner schweren Steinen zu hantieren, ist nicht unbedingt Balsam für die Knochen.

Außerdem zählte Uhlig in der DDR weder zu den angepassten Künstlern (Tübke, Sitte, Mattheuer) noch zu jenen, die wie Penck in den Westen gingen. Er blieb, und er blieb seinen Linien treu. Sie sind sein Markenzeichen, jene spiral- oder gitterförmigen Strichgeflechte, aus denen menschliche Köpfe oder Landschaften wachsen.

Die 50 Jahre umspannende Werkschau übernimmt eine Druckgrafik-Ausstellung des Dresdner Kupferstichkabinetts, die Kollwitz-Direktorin Hannelore Fischer indes noch selbst mit Aquarellen und Zeichnungen aus Uhligs Atelier ergänzen durfte. Ein Großformat wurde sogar noch eilig vom Künstler selbst gerahmt. So lässt sich Uhligs Schaffen an knapp 80 Beispielen durch alle Epochen, Techniken und Formate deklinieren: Man bestaunt jene frühen Kohlezeichnungen, die der Künstler aus einem Versteck anfertigte: Gegenüber einer Straßenbahnhaltestelle beobachtete er die Wartenden, deren gemeinsame Einsamkeit ihn rührte.

In einem anderen Frühwerk schlägt eine Hyäne ihre Zähne in die Beute, während die "Ruhende Frau" (Aquatinta) fast in Schwärze zu versinken scheint. Uhligs grimmige Berliner Stadtlandschaften sind zweifellos vom Expressionismus, seine intensiven Porträts von Giacometti inspiriert. Die Palette reicht von Nijinsky (nach einer Rodin-Plastik) über Chagall bis zu Jimi Hendrix und der von Uhlig hoch geschätzten Käthe Kollwitz.

Aus dem dynamischen Linien- und Schraffurwirbel schälen sich die Charakterköpfe heraus, verschwimmen jedoch auch wieder. Kein Wunder, dass dieses dynamische Tauziehen aus Enthüllen und Verbergen oft als Chiffre auf die DDR-Wirklichkeit gelesen wurde. Eine Dame vom Münchner Kunstverein jedoch sagte einst zu Uhlig: "Ach, Sie machen doch so schöne Köpfe, aber warum streichen Sie sie hinterher immer wieder durch?" Zwar zeigt Uhligs Werk imposant, welche Nuancen sich zwischen scharfem Weiß und tiefstem Schwarz auffächern lassen. Doch arbeitet er auch farbig, was seinen Porträts zusätzlichen Verfremdungsreiz gibt. Allerdings wirken die Landschaften noch radikaler, die Uhlig im Freien einfängt, die Druckplatte stets im Gepäck.

Wenn er den Mont Ventoux zeigt, den berühmten windigen Berg der Provence, sieht man keinen kahl aufragenden Riesen, sondern eine Landschafts-Essenz, in der Boden, Gehölz, Gestein und Himmel kühn verschmolzen werden.

Uhlig, so Kupferstichkabinett-Leiter Bernhard Maaz, "pflegt stets ein hohes Ethos des Handwerklichen". So hat er die "Nächtliche Böschung (Rügen)" in der äußerst pannenanfälligen "Chine Collé"-Technik realisiert - ein delikat geglücktes Meisterstück.

Info: Bis 17. März, Di-Fr 10-18 Uhr, Sa/So/Feiertag 11-18 Uhr. Neumarkt 18-24. Katalog 20 Euro, nummerierte Vorzugsausgabe mit Original-Radierung von Max Uhlig (in zwei Varianten: "Kopf Käthe Kollwitz" und "Jugendlicher Kopf"): 190 Euro.