Konzert in Köln: Marsimoto reißt Fans im Palladium mit

Konzert in Köln : Marsimoto reißt Fans im Palladium mit

Alien-Rapper Marsimoto ist im Kölner Palladium aufgetreten. Wie eine Lawine rollen die Beats durch den Saal und reißen mit jedem weiteren Takt die Fans mehr und mehr mit.

Wann genau Marten Laciny eigentlich noch ein Privatleben und Zeit für seine Familie hat, wird wohl das Geheimnis des 36-jährigen Deutschrappers bleiben. Seit 2006 bringt er im Jahres- bis maximal Zweijahrestakt Alben heraus, die zudem seit 2010 allesamt in den Top-Zehn der Charts zu finden waren. Und all das macht er nicht nur unter seinen Künstlernamen Marteria, sondern von Beginn an im Wechsel mit seiner zweiten Persönlichkeit Marsimoto. Am Freitag landete Lacinys durchgeknalltes Alter Ego aus einer fernen Galaxie, seine Hommage an das Quasimoto, das Alter Ego des US-Rappers Madlib, im Kölner Palladium und rief mit hochgepitchter Stimme die grüne Revolution aus.

Und um diese durchzusetzen, lässt sich das rappende und kiffende Alien nicht lumpen - vor allem visuell ist die Show ein Genuss auf höchster Qualität. Dichte Nebeltürme bauen sich auf der Bühne auf, wabern schließlich durch die in giftgrünes Licht getauchte Halle, um sich dort mit den Graswolken aus den Dutzenden Joints im Publikum zu vereinen. Dazu durchforsten die Laseraugen aus dem überdimensionalen Alien-Schädel die Reihen, und Stroboskop-Gewitter werden durch die Halle gejagt. Das alles sieht nicht nur faszinierend aus, sondern harmoniert prächtig mit dem Sound Marsimotos.

Wie eine Lawine rollen die Beats durchs Palladium und reißen mit jedem weiteren Takt die Fans mehr und mehr mit. Pausen zum Verschnaufen gibt es kaum. Und über all dem haut Marsimoto seine Reime raus - über Massentierhaltung („Chicken Terror“), über „Anarchie“ und „Absinth“, über Nazis und Gras und beides gemeinsam. Die grüne Revolution ist zwar durchgeknallt und ganz und gar nicht nüchtern, aber friedlich. „Green Cologne, ich bin verliebt“, ruft Marsimoto am Ende seinen Erdlingen in Köln entgegen, und trotz verfremdeter Stimme, Maske und Ganzkörperanzug nimmt man ihm das ohne Zweifel ab. Denn: Dieses Gefühl beruht auf Gegenseitigkeit.

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