Hommage an Albert Camus: "Malerei als Revolte" im Landesmuseum

Hommage an Albert Camus : "Malerei als Revolte" im Landesmuseum

"Szene Rheinland" im Landesmuseum zeigt eine Hommage an Albert Camus mit Bildern von Oliver Jordan.

Malerei als Revolte" ist der Titel der neuen Ausgabe in der fast immer großartigen Ausstellungsreihe "Szene Rheinland" im Landesmuseum. Wer revoltiert hier gegen wen?

Um das herauszufinden, muss man ein bisschen tiefer graben. Beim Maler Oliver Jordan, dessen Bilder zu sehen sind, und beim Philosophen Albert Camus, mit dem Jordan sich intensiv beschäftigt hat.

Die Anregung dazu verdankt Jordan seiner französischen Ehefrau Héléna, die ihre frühe Kindheit in Algerien verbrachte. Als die beiden 1984 heiraten, geht die ausgedehnte Hochzeitsreise in dieses Land, in dem auch Camus geboren wurde, und dort unter anderem nach Tipasa, der römischen Ruinenstadt an der Mittelmeerküste.

"Im Frühling wohnen in Tipasa die Götter", hatte Camus 1936 in seinem Essay "Hochzeit in Tipasa" geschrieben, euphorisiert von der Stimmung und Intensität des gleißenden Lichts. Camus, den man in erster Linie als Philosoph des Absurden kennt, hat hier, unter dem Eindruck des Naturerlebnisses, zu einer Kritik der Fortschrittsgläubigkeit gefunden, die ihn letztlich auch für das Schöne, das Glück eingenommen hat.

Auch Oliver Jordan ist beeindruckt vom algerischen Sommer und es entstehen zahlreiche Skizzen und Aquarelle. Zu dieser Zeit studiert Jordan, 1958 in Essen geboren, noch an der Düsseldorfer Kunstakademie und will die damals vorherrschende Auffassung, das Ende der Malerei sei gekommen, nicht akzeptieren.

Er beginnt Porträts zu malen und sagt der Realismusfeindlichkeit den Kampf an. Mit Camus und seinen Texten setzt er sich weiter auseinander, aber die in Tipasa entstandenen Skizzen bleiben erst einmal liegen. Erst 20 Jahre später greift er auf sie zurück und malt großformatige Ölbilder auf Leinwand und Pappe, als Hommage an "Camus, die Sonne und die Schönheit".

Als 2013 der 100. Geburtstag von Albert Camus gefeiert wird, trägt auch Oliver Jordan mit seinen Bildern dazu bei, den Philosophen, Literaten und Nobelpreisträger zu würdigen. Die Ausstellung, die in Aix-en-Provence zu sehen war, ist nun nach Bonn gewandert und könnte für Besucher zum Anlass werden, über Camus, das Schöne und das Gegenständliche in der Malerei nachzudenken. In wild zerklüfteten Farblandschaften mit dickem, pastosem Farbauftrag begegnen uns hier die römischen Ruinen von Tipasa, die "Straße im Licht" und immer wieder Camus selbst in körperhafter Plastizität.

Die zahlreichen Farbschichten werden auf der gesamten Bildfläche von tiefen Furchen auseinandergerissen, was den Bildern etwas Skizzenhaftes, Flüchtiges gibt, das sich steigert, wenn Jordan Pappe als Malgrund verwendet.

Der Blick des Betrachters kann recht mühelos hin und her springen zwischen dem dargestellten Gegenstand und den malerischen Mitteln, die Jordan einsetzt. "Das Leben eines Menschen", hatte Camus gesagt, "ist ein einziger Versuch, über die Umwege der Kunst wieder die wenigen Minuten wach werden zu lassen, in denen sich sein Herz zum ersten Mal öffnete."

LVR-Landesmuseum, Colmantstraße 14-16, bis 14. September. Dienstag bis Freitag und Sonntag 11 bis 18, Samstag 13 bis 18 Uhr.

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