Liederabend in Bonner Oper

Aris Argiris machte ein kurzes Konzert vor spärlich besetztem Haus in der Bonner Oper zum Erlebnis.

Liederabende in der Bonner Oper laufen nicht gut. Nach Agnes Baltsa und Leo Nucci musste jetzt auch Aris Argiris diese Erfahrung machen: Das Haus war nur zu einem Viertel gefüllt. Dabei ist der griechische Bariton in Bonn kein Unbekannter, von 2006 bis 2008 gehörte er zum Ensemble. Als Gast kehrte er immer wieder nach Bonn zurück, wurde unter anderem als Don Giovanni gefeiert. Inzwischen hat die Karriere internationale Ausmaße (Brüssel, London, Wien, Tokio) angenommen.

Zweifellos hat auch die Bonner Oper diesen Liederabend mit einem nicht ganz einfach zu vermittelnden reinen Mahler-Programm nur schwach beworben, und der Service am Abend schien lieblos: Es reichte nicht einmal zu einem Programmheft mit den Liedtexten. Gleichwohl: Argiris und sein Klavierpartner Thomas Wise machten das arg kurze Konzert - 45 Minuten Musik - zu einem hörenswerten Erlebnis.

Mischung aus Liebesglück und Liebesschmerz

Gustav Mahler pur also, mit Beispielen aus "Des Knaben Wunderhorn", den "Rückert-Liedern" und den "Liedern eines fahrenden Gesellen". Das ist schwere Kost, kein Programm, mit dem man sich anbiedern kann. Argiris verstand es vorzüglich, die typische Mahler-Stimmung einzufangen, jene Mischung aus Liebesglück und Liebesschmerz, aus Lebensfreude und Todesahnung, die musikalisch immer ein merkwürdiges, oft gespenstisches Zwielicht erzeugt.

Die Stimme kann ebenso innig und verhalten klingen wie kraftvoll und kernig, sie ist zu fahlen Schattierungen ebenso fähig wie zu triumphierender Höhe. Schien die Interpretation zu Beginn sozusagen noch ein wenig an den Noten zu hängen, so wurde Argiris zunehmend freier und machte speziell die "Lieder eines fahrenden Gesellen" zu eindringlichen Miniaturen.

Thomas Wise war dabei der ideale Partner, der mit schönsten Anschlagsnuancen immer einen ganz eigenständigen Part lieferte und auf dem Flügel gleichsam sinfonische Welten erschloss.

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