Guy Braunstein und Beethoven Orchester: Liebeserklärung an die Geige

Guy Braunstein und Beethoven Orchester : Liebeserklärung an die Geige

Beethovenhalle: Guy Braunstein und Beethoven Orchester mit Bartóks erstem Violinkonzert.

So schön kann Liebe klingen. Sein erstes Violinkonzert hat Béla Bartók unter dem Eindruck eines Sommers komponiert, den der 26-Jährige mit der ein paar Jahre jüngeren Geigerin Stefi Geyer verbracht hatte. Der Geiger Guy Braunstein spielte im Freitagskonzert des Beethoven Orchesters sozusagen stellvertretend für die Adressatin den Violinpart. Das solo vorgetragene Liebesmotiv gestaltete er mit warmem Ton und wunderbar sehnsuchtsvoll.

Zudem lud er dieses erste Kapitel der Liebesgeschichte auch ein bisschen theatralisch auf, indem er sich zu den Harfen gesellte und von dort langsam durch die Reihen der Tutti-Geigen zum angestammten Solistenplatz schritt.

Der zweite Satz bot Braunstein viel Gelegenheit, seine virtuosen Qualitäten zu zeigen. Das Orchester unter der anfeuernden Leitung des Norwegers Eivind Gullberg Jensen begleitete mit großer Spiellaune, die auch durch eine abreißende Harfensaite nicht wirklich gestört wurde. Die Lovestory zwischen Komponist und Geigerin fand übrigens kein Happy End. Stefi Geyer wies das Konzert wie den Komponisten barsch zurück.

An diesem Abend kam das aus diesem Grunde posthum erst veröffentliche Werk so gut an, dass Braunstein noch zwei Kreisler-Zugaben spielte. Die erste sogar mit selbst arrangierter Orchesterbegleitung, die zweite solo, wobei er den Humor des "Marsches der Spielzeugsoldaten" hübsch herauskitzelte.

Die Kombination des Violinkonzertes von Bartók und der siebten Sinfonie von Anton Bruckner, die in der nahezu ausverkauften Beethovenhalle zu erleben war, erscheint vor allem wegen der Eröffnungssätze überaus sinnfällig. In beiden Werken entwickelt sich die Musik leise wie aus einer Keimzelle heraus. Freilich sind die dramatischen Steigerungen und Entwicklungen, die Kontraste und Beziehungen in dem Bruckner'schen Riesenwerk von anderer Dimension als in Bartóks Frühwerk, ein klingendes Domgebäude sozusagen.

Allerdings gehört Eivind Gullberg Jensen nicht zu den Dirigenten, die Bruckner als Hohemesse zelebrieren. Dafür sind seine Tempi zu rasch, auch mit bedeutungsheischenden Rubati geht er sparsam um. Gleichwohl erlebte man eine Interpretation, die in die Tiefe der Musik vordrang, die Architektur des gigantischen Werkes gleichsam sinnlich erfahrbar machte.

Jensen entwickelt ein gutes Gespür dafür, die musikalischen Beziehungen in klug gestalteten Übergängen deutlich werden zu lassen. Der langsame Satz, den Bruckner als Trauermusik für Richard Wagner komponierte, spielte nicht nur auf der tief melancholischen Saite, sondern schlug auch die tröstliche mit wunderbarer Empathie an. Die Streicher hatten hier einen großen Anteil, während vor allem das Blech, inklusive der Wagner-Tuben, die dunkle Seite des Satzes emotional ausmalte.

Im Scherzo und im Finale, die beide deutlich kürzer ausfallen als die ersten beiden Sätze, spielte das Orchester unter Jensen packend und mitreißend. Hier konnte man sich an zahlreichen Holzbläserepisoden erfreuen. Großartig gestalteten Dirigent und Orchester die apotheotische Schlusssteigerung, die als vibrierendes Klanggebäude den Saal erfüllte. Nach dem die Musik verklungen war, verharrte das Publikum eine Weile still, bevor langer und begeisterter Applaus Dirigent und Orchester für ihre Leistung belohnte.

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