Leise flüstert's "Give Peace a Chance"

Leise flüstert's "Give Peace a Chance"

Ruth Bambergs Environment "Lichtbotschaft - vertikaler Himmel" in der Alten Rotation des Bonner General-Anzeigers

Bonn. Öde und verlassen mutet der Ausstellungsort an. Ungewöhnlich erscheint lediglich eine dreiteilige, monumentale Projektionswand, die vom hohen Deckengewölbe, übers Parterre hinweg bis ins offene Souterrain herunterwallt.

Wenn jedoch gewisse Schalter und Apparaturen aktiviert werden, dann hüllt sich die Alte Rotation unversehens ins Gewand eines "video-klang-environment", das die Sinne des Besuchers allseitig zu umgarnen trachtet.

"Ich tue nichts - ich baue nur den Raum, stelle ihn zur Schau; danach ist der Betrachter zuständig", gibt Ruth Bamberg, geheimnisvoll lächelnd, zu verstehen.

Dennoch hat die film-und theatererfahrene Medienkünstlerin eine Weile gebraucht, bis ihr "im Geiste" gereifter Erfahrungsraum als 25. Blickpunkt der "Szene Rheinland" (Ausstellungsreihe des Rheinischen Landesmuseum, Bonn) einverleibt werden konnte.

An einem lauen Sommertag sah die Duisburger Künstlerin einen Bilderbuchhimmel, den sie mit drei übereinander gestapelten Kameras fixierte und nun "hineinholt in den geschlossenen Raum" der Alten Rotation.

Zwanzig Minuten lang dauert eine Runde des zyklisch konzipierten Videostreifen; dank Beamer und Rückwandprojektion schwingen jetzt Betrachterblicke hinauf und hinab in himmelblaue Lüfte. Gemächlich erwandern kann sich der Ausstellungsgast ein lichtes, sich permanent sacht wandelndes Firmament.

Seine Schritte werden unmittelbar und schub- und böenartig begleitet von rauschigen Sequenzen einer elektronischen Auftragskomposition; komponiert hat das bizarre Klanggebilde der auf Ruth Bambergs Projekte eingespielte Musiker Philippe Micol. Nur am Rande, irgendwann im Laufe des Stücks souffliert eine Stimme Bruchstücke aus John Lennons "Give Peace a Chance".

Aber der Gedanke an Friede, Versöhnung ist bei weitem nicht alles, was Bambergs "Lichtbotschaft vertikaler Himmel" verkünden will. Vielmehr fußt das "environment", auf einem spannungsgeladenen Achsen- oder Koordinatensystem symbolischer Natur.

Die Vertikale, präsent in der neun Meter steilen Projektionsfläche (alias Himmelsaue), steht, laut Künstlerin, für kosmische, tranzendentale, metaphysische Dimensionen, für "Geist", "Spiritualität", erinnert auch an den hier residenten Götter-Olymp der Griechen. Die Horizontale, auf der sich der Betrachter zwangsläufig bewegt, verkörpert die Ebene des Materiellen, irdischen und profanen Treibens.

Lässt man sich auf sphärische Regionen ein, so eröffnen sich viele Wege inspirierter Annäherung: eintauchen in das unbeschwerte Flair romantischer Sommertage, so der launige Vorschlag von Kurator Steffen Neuburger, oder ganz einfach "Freizeit im Kopf sehen", regt Bamberg schelmisch blinzelnd an.

Was in jedem Fall wichtig ist für das synästhetische Raumerlebnis, das ist die ergiebig verweilende Betrachtung, ein innerliches Quartiernehmen unter dem lichten, pittoresken Himmelszelt.

Prozesshaft angelegt ist auch die Genese des video-klang-environment, etwa das komplizierte "Granularsynthese", auf der Micols Klangarrangement beruht; oder jene farbige Koordination von drei Beamern, Projektoren, die für den ungetrübten, ästhetischen Genuss der auf DVD-Basis funktionierenden Videoarbeit verantwortlich sind.

In ihrer "Lichtbotschaft" setzt Medienexpertin und -kritikerin Ruth Bamberg bewusst auf die, ihrer Ansicht "noch nicht ausgereizte" Strategien einer "analogen" mit "basics" operierenden Technik. Doch was ist der Inhalt dieser Lichtbotschaft? Dezent nennt die Künstlerin Stichworte wie "Weltbild", "Verständnis von Welt" und "Naturerfahrung".

Rheinisches Landesmuseum Bonn in der Alten Rotation des General-Anzeigers, Justus-von-Liebig-Str.15, bis 23.Februar. Täglich außer Mo. 11-17 Uhr, Mi. 11-20 Uhr. Katalog 15,24 Euro.

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