Tom Gaebel in der Oper: Las Vegas in Bonn

Tom Gaebel in der Oper : Las Vegas in Bonn

Tom Gaebel & Band liefern mit „Swinging Christmas“ in der Oper eine Hommage an Frank Sinatra. Wenn jemand etwas von Show versteht – dann Tom Gaebel.

Gewiss, die Bonner Oper ist keine üble Wahl, wirklich nicht: proper gefüllte Reihen, ein Meer von gelben Lichtern hoch über den Köpfen der Zuschauer, die sichtlich entspannt und zum Swing bereit Platz genommen haben. Die Plätze der elf Musiker auf der weihnachtlich geschmückten Bühne werden besetzt, sowie sich der Kunstnebel verzogen hat. Falls man solange die Augen schließt und sie erst wieder öffnet, sobald Tom Gaebel die Stimme erhebt und dies mit einer guten Portion von Sinatras Timbre – dann könnte man statt in der Bonner Oper auch mitten im legendären Mirage Hotel in Las Vegas sitzen und das Programm genießen, das sich „Swinging Christmas“ nennt.

Und das mitunter liebenswert old school klingt: „White Christmas“, „Rudolph, the Red-Nosed Reindeer“, „Have yourself a merry little Christmas“ – eben das, was drüben in den USA zu einem anständigen Weihnachtsfest gehört und dem Bonner Publikum von „der Band“ kongenial serviert wird. Man könnte sie auch „Gaebel's Eleven“ nennen: frei nach dem Film „Ocean's Eleven“ (2001), der im Mirage spielt: einem Remake von „Frankie und seine Spießgesellen“ (1960) mit (na eben!) Frank Sinatra in der Hauptrolle.

So viel also zu dem unwiderstehlichen Flair, das diesen Abend trägt und den Saal zum Singen bringt. Den ganzen Saal und zum Ende des ersten Teils ganz explizit die 26-jährige Elsa Johanna Mohr, die seit 2015 am Institut für Musik in Osnabrück Jazzgesang studiert und sich als Duettpartnerin für „Baby, It’s Cold Outside!“ bei Gaebels Bonner Weihnachtskonzert beworben hatte. Respekt für eine vielversprechende Stimme, von der sicher noch zu hören sein wird.

So oder so: Dr. Swing aka Mr. Goodlife hat die Oper im Griff; lässig, gut gelaunt und selbstironisch. Gaebels Entscheidung, zwischendurch immer wieder Zuschauerwünsche zu erfüllen, verdanken die Bonner immerhin eine stilechte Version von Wilson Picketts „Mustang Sally“mit einem souverän Bassisten namens Klaus. „Last Christmas“, die Hommage an George Michael, indes war sein eigener Wunsch: ein Moment Melancholie, um es anschließend mit Freddie Mercury zu sagen: The Show must go on. Und wenn jemand etwas von Show versteht – dann Tom Gaebel.

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