Kurt Weills jazzige Kammeroper "Down in the Valley" feiert in Bonn Premiere

Kurt Weills jazzige Kammeroper "Down in the Valley" feiert in Bonn Premiere

Zarte Romanze mit tragischem Ende - Erstes Jugendopern-Projekt der Reihe "Bobbys Klassik" startet am Samstag im Studio der Beethovenhalle

Bonn. Ein spitzer Schrei aus mindestens fünfzig Kehlen ertönt, als klar wird: Der Mann ist tot. Thomas Honickel allerdings ist zufrieden: "Der Mord war jetzt viel besser!"

Im Studio der Beethovenhalle probt der Konzertpädagoge des Beethoven Orchesters eine Szene aus Kurt Weills "Down in the Valley", einer 1948 für die Universität Indiana in Bloomington entstandenen "Students Opera". Es ist ein zentraler, schicksalhafter Moment.

Der sanftmütige Brack Weaver lässt sich in einen Zweikampf mit Thomas Bouché verwickeln, einem großspurigen Fiesling, der es auf Bracks Geliebte Jennie Parsons abgesehen hat. Das Handgemenge mit tödlichem Ausgang findet in einem Saloon in Shadow Creek statt, die Gäste, die zuvor noch ausgelassen getanzt hatten, schauen entgeistert zu.

Bouché zieht ein Messer, doch nach kurzem Gerangel steckt die Waffe plötzlich in seiner eigenen Brust. War es Mord, was es Notwehr? Die Frage bleibt offen, Brack landet im Gefängnis. Es ist aber keineswegs eine blutrünstige Wildwest-Oper, die Kurt Weill, Schöpfer der "Dreigroschenoper" und "Mahagonny", da geschrieben hat.

Vielmehr erlebt man eine zarte Romanze, die zwar tragisch endet, aber gleichzeitig die ewige Liebe preist. Denn Brack flieht noch einmal aus dem Gefängnis, aber nur, um sich der Liebe von Jennie endgültig zu versichern. Dann geht er zurück - dem Tod am Galgen entgegen.

Mit dieser Gefängnisszene beginnt die Oper, um die Geschichte dann einfach, aber eindringlich, in mehreren Rückblenden zu erzählen. Wie in einer Ballade führt ein (singender) Erzähler durch das Geschehen. Aufgeführt wird Weills dreiviertelstündige Kammeroper am Samstag, 25. April, um 11 und 15 Uhr im Studio der Beethovenhalle.

Es ist das erste Jugendopern-Projekt der Reihe "Bobbys Klassik". "Wir wollten einen Mord, eine Liebesgeschichte, aber kein Happyend, und jazzige Musik", erklärt Charleen vom "Kid's Klassik Jugendchor" aus Wuppertal in der Probenpause, warum die Wahl auf "Down in the Valley" gefallen ist.

Zweiter Chor im Bunde ist der "Sunday Morning Jugendchor" der Evangelischen Kirche Holzlar. Zuerst habe ihr die Musik gar nicht gefallen, gesteht Joelle, "aber als ich die Stimmen zusammen gehört habe, war es toll." Und was musikalisch funktioniert, klappt offenbar auch menschlich: "Wir sind richtig zusammengewachsen", hat Jan während der Probenarbeit erlebt.

Die Choreografie der Tanzszene etwa haben sich die jungen Sänger zum Teil selbst ausgedacht. Weill verlangt dem Chorensemble viel ab, die jugendlichen Sänger treten als Kirchengemeinde, Tanzgesellschaft oder Trauergesellschaft, aber auch als Kommentator in Erscheinung, der Chor wird zum suggestiven Sprecher aus dem Off oder trumpft achtstimmig mit satten Jazz-Akkorden auf.

In den USA landete Weill mit "Down in the Valley", das er schlicht "Stück mit Musik" nannte, einen spektakulären Erfolg, ein Kritiker erblickte in ihr gar den "Ursprung der amerikanischen Oper". Bis heute wird das Werk an vielen Schulen und Universitäten aufgeführt.

Mit zum Erfolg trug sicherlich bei, dass Weill fünf amerikanische Volkslieder, neben dem Titelsong etwa den Gospel "The little black train" oder das Liebeslied "The lonesome dove", in leitmotivischer Manier in die Partitur einflocht. Das Orchester setzt statt Klarinetten und Fagotten Saxophone ein, spart bei den Streichern die Bratschen aus und beschäftigt eine reich bestückte Schlagzeugabteilung.

"Down in the Valley", Kammeroper für Soli, Chor und Orchester von Kurt Weill. Premiere am Samstag, 25. April, 11 und 15 Uhr im Studio der Beethovenhalle. Karten unter (02 28) 77 80 08

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