Künstlerfete im Haus an der Redoute: Kunst!Rasen-Schrott wird Kunst

Künstlerfete im Haus an der Redoute : Kunst!Rasen-Schrott wird Kunst

"Eltern haften für ihre Kinder" heißt die aktuelle Ausstellung der Künstlergruppe "Jetzt" im Haus an der Redoute. Beim Brand auf dem Bonner Open-Air-Gelände Kunst!Rasen haftete nicht mal die Versicherung. Künstlerin Anne Beikircher zeigt in ihrem Beitrag zur Ausstellung, dass trotz der Zerstörung immer etwas bleibt.

Für ihr Werk "Brandnew" nutzte sie die verkohlten und verformten Reste, die nach dem Brand auf dem Kunst!Rasen-Gelände im Oktober 2013 übrig geblieben waren. Die Faszination des Feuers spiegelt sich auch in dem von Beikircher ausgesuchten Gedicht aus dem "Struwwelpeter" über Paulinchen, die mit den Zündhölzern spielt.

Für die Künstlerin selbst liegt die Faszination in der Kraft des Feuers, unter dessen Einfluss sich Form und Material verändern und etwas völlig Neues entsteht. Kulturdezernent Martin Schumacher begeistert die "Metamorphose, der Prozess, aus Gegenständen, die zu Schrott wurden, wieder einen Gegenstand zu schaffen".

Die Räume des Hauses an der Redoute sollten aufgebrochen werden. Geschafft hat die Gruppe das, indem sie sieben Baugerüste aufbaute, die als Kunstträger eingesetzt wurden. So nutzt Sabine Herting ihren Kunstraum für einen Aufruf und für die Kritik an der Abholzung großer Apfelbaumbestände, die für Pferdeweiden weichen müssen.

Aus diesem gefällten Apfelholz formte sie mit Pappmaschee Gesichter und Köpfe mit Geweihen, die als Trophäen der Zerstörung und als Zeichen der Neuerung rund um das Baugerüst verflochten sind. Sie spannt damit einen zeitlichen Bogen. Die Materialien erfahren durch das künstlerische Schaffen eine Neugestaltung in einem anderen Kontext und werden so recycelt.

Auch Peter Tutzauer "recycelt", indem er sein Gerüst als Verkaufsstand für seine gesammelten Werke der vergangenen Jahre umfunktioniert und so auch die Besucher dazu anregt, sich interaktiv mit seinen Objekten zu befassen. Hier bricht der festgehaltene Abstand zur Kunst, denn Tutzauer fordert dazu auf, sich durch die Kunst "zu wühlen".

Einen persönlichen Einblick in sein Leben und seine Erinnerungen gibt Andreas Rein mit seinen Etagenzimmern. Aus alten Baubrettern, an denen noch der Bauschaum klebt, zimmerte er auf drei Geschossen seine Lebensorte von Köln, Rhöndorf über Sylt bis hin zum Segelboot. In jedem Raum hängen kleine Bilder, die alte Orte und positive Erinnerungen widerspiegeln. In liebevoller Kleinarbeit entstanden, zieren vier geschnitzte Puttenköpfe die Decke des Schlafzimmers, eine Hommage an seine drei Söhne und die Tochter.

"Innerhalb von Sekunden und mit einer unglaublichen Leichtigkeit passieren ständig Tragödien im Alltag, die mit einer bewussteren Erziehung sicherlich vermeidbarer wären", sagt Georg Wittwer, der mit "22 Magnum" die Ambivalenz zwischen bedrohten Tierarten und dem Kuscheltier im Kinderzimmer zeigt. So sitzt ein Plüschtiger in einem Käfig aus Panzerglas, der Käfig thront auf goldenen Löwentatzen, das Glas weist einen riesigen Projektileinschlag auf. Wittwer plädiert für eine bessere Kindererziehung und für nachhaltiges Denken und Handeln im Bezug auf die Umwelt.

Willi Krings schafft mit seinen bemalten Matratzen "Die Erinnerung des Dr. Z" und der Hängung am Baugerüst einen Einblick in den Raum hinter der "Leinwand". Die mit Öl- und Teerfarbe gewählten Motive werden als verblasste Erinnerungen erkennbar. Wolfgang Hunecke empfindet in seinen Werken silhouettenhaft die realen Spuren der Menschen nach. Er zeigt ihre verschiedenen Facetten und die unterschiedlichen Rollen, in die ein Mensch im Laufe seines Lebens schlüpft, und die nach und nach die Persönlichkeit formen.

Info: Die Ausstellung "Eltern haften für ihre Kinder" der Künstlergruppe "Jetzt" ist noch bis Sonntag, 23. Februar, im Haus an der Redoute, Kurfürstenallee 1a, zu sehen. Geöffnet ist mittwochs bis freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 11 Uhr.

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