Schülermanager des Beethovenfestes: Konzertprojekt mit Cameron Carpenter vorgestellt

Schülermanager des Beethovenfestes : Konzertprojekt mit Cameron Carpenter vorgestellt

Vor wenigen Monaten noch hätte keiner der acht Mittel- und Oberstufenschüler, die das aktuelle Schülermanagerteam des Beethovenfestes bilden, sich in seinen kühnsten Träumen vorzustellen vermocht, dass es irgendwie aufregend sein könnte, das Konzert eines Organisten zu organisieren.

Damals freilich kannten sie Cameron Carpenter noch nicht, den Popstar und Paradiesvogel der internationalen Orgelszene, der glamouröse Outfits liebt, der seine in früher Kindheit erlernten Steptanzkünste in einer virtuosen Pedaltechnik aufgehen lässt. Seine selbst entworfenen und designten Spezialschuhe lassen nicht von ungefähr an Flamenco denken.

Jetzt liegen die Schülermanager dem Orgelspieler zu Füßen: "Wir sind begeistert von ihm. Denn er ist jung, und er ist frisch", schwärmt Sophia Siegemund, die gemeinsam mit Florian Becht die Intendanz beim Schülermanagerprojekt des Jungen Beethovenfestes innehat. Gestern stellten sie ihr Konzert-Vorhaben in den Räumen des Telekom Forums am Landgrabenweg vor, wo es am 14. September auch über die Bühne gehen soll.

Der Star des Konzertes war ebenfalls angereist. Trotz der dunklen Sonnenbrille strahlte Cameron Carpenter eine bemerkenswerte Offenheit aus, beantwortete die Fragen der von Pressereferent Leon Schlichte souverän moderierten Konferenz mit entwaffnendem Charme und unerschütterlichem Selbstbewusstsein.

In hellblauem Anzug und weit geöffnetem weißen Hemd sprach der Amerikaner über seine Kunst. Und über seine Mission. Man täte dem in Berlin lebenden Cameron Carpenter Unrecht, ihn wegen seines exzentrischen Auftretens als den Liberace der Organisten-Szene zu betrachten.

Ihm geht es darum, die Orgel von der Kirche zu emanzipieren. Und da ist ihm jedes musikalische, aber auch nichtmusikalische Mittel recht. "Ich bin ein gottfreier Mensch und in einer gottfreien Familie aufgewachsen", sagte er. Deshalb sehe er die Orgel auch nicht als ein religiöses Instrument. Carpenter pfeift auf die Regeln historisch korrekten Spiels mit genau überlieferten Registrierungen und Verzierungen.

Wenn er Bach spielt, darf man sich auf überraschende Registriereffekte gefasst machen. In Bonn wird er übrigens an seiner digitalen Orgel sitzen. Es passt freilich auch zu ihm, dass ihm die überlieferte Literatur für sein Instrument zu wenig ist. Carpenter greift auch schon mal zur fünften Sinfonie von Gustav Mahler oder zu Chopins Revolutionsetüde für Klavier, wobei er die rasanten Läufe der linken Hand parallel mit den Füßen spielt. Oder er komponiert gleich selbst.

1000 Tickets müssen am Ende verkauft sein. Deshalb haben die Schüler professionelle Strategien entwickelt, das Event, das noch um bewegte Bilder des Videokünstlers Daniel Rossa ergänzt wird, publik zu machen. Über die eigene Homepage zum Beispiel, die von Sula Hanses und Elisa Kart fantasievoll gestaltet wurde, oder mit von Clara Miebach und Annika Weiß entworfenen Plakaten. Und Windie Höfs stellte das Rahmenprogramm vor, in dem jungen Menschen das Instrument Orgel nähergebracht werden soll.

Auch mit den Sponsorpartnern müssen die Schülermanager verhandeln. Dazu gehört die Telekom als Hauptsponsor ebenso wie die Deutsche Bank Stiftung und die RheinEnergie Stiftung Kultur. Die scheidende Beethovenfest-Intendantin Ilona Schmiel kündigte gestern an, dass es 2014 zunächst auf jeden Fall weitergehen werde mit den Schülermangern. Das weitere Schicksal des Projektes liegt dann in den Händen ihrer Nachfolgerin Nike Wagner.

Weitere Informationen unter www.schuelermanager-beethovenfest.de

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