Philharmonie-Matinee: Kölner Kammerorchester unter Jos van Veldhoven

Philharmonie-Matinee : Kölner Kammerorchester unter Jos van Veldhoven

Das war in dieser Philharmonie-Matinee eine besonders glanzvolle Veranstaltung des Kölner Kammerorchesters. Zum einen trug Früchte, dass innerhalb der aktuellen Arbeitsphase mit Gastdirigenten Jos van Veldhoven gewonnen werden konnte.

Da er das reine Händel-Programm mit der Ouvertüre zu "Saul" begann, mochte sich mancher daran erinnern, dass der Niederländer das komplette Oratorium 2001 an der Oper Bonn leitete. Diese Aufführung gehört (auch dank der grandiosen Inszenierung Dietrich Hilsdorfs) zu den absoluten Höhepunkten in der jüngeren Geschichte des Hauses.

Veldhoven neigt zwar zu gedehnten Ritardandi, doch insgesamt ging er Händels Musik - an rechter Stelle natürlich - frisch, nachgerade theatralisch temperamentvoll an. Andererseits vermochte er kontemplativen Stellen reichen Ausdruck mitzugeben, was sich besonders bei der dreiteilig angelegten Szene "Che più si tarda amai" aus "Tolomeo" zeigte.

Sie war innerhalb des Programms bereits das dritte Solo von Bejun Mehta. Der Countertenor gab sein Köln-Debüt, welches gerechterweise schon längst hätte stattfinden müssen. Die Karriere des Künstlers ist so bemerkenswert wie eigenwillig. Mit seinem Knabensopran sang er bis 1983. Danach wechselte er zum vorübergehend zum Cello, heute aber zählt er zu den führenden Countertenören. Mehta ist offenkundig ein Bühnenmensch.

Er bewegte sich ausgiebig, doch in geschmackvollem Rahmen, auf dem Podium, unterstrich gestisch seine vokalen Darbietungen, gelegentlich auch das Spiel des Orchesters. Als er in ausladenden Koloraturen von "tempeste" oder "combattere" zu singen hatte ("Riccardo primo", "Orlando"), schien er besonders in seinem Element.

Doch eigentlich noch mehr war zu bewundern, wie er melodische Linien mit lebendigem Ausdruck erfüllte, Arientexte nicht nur pointiert skandierte, sondern ihnen über stereotype Affekte hinaus tieferen Sinn verlieh, was das Nachlesen der Texte überflüssig machte. Bejun Mehta kam, sang und siegte. Kleine Sensation am Rande: das gänzlich fehlerfreie, dynamisch wundervoll abgestufte Spiel der beiden Hörner in der 1. Suite der "Wassermusik".

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