Zukunft der Spielstätte ungewiss: Kleines Theater in Godesberg steht am Scheideweg

Zukunft der Spielstätte ungewiss : Kleines Theater in Godesberg steht am Scheideweg

Die Zukunft des Kleinen Theaters in Bad Godesberg ist ungewiss. Warum es nur überleben kann, wenn die Stadt Bonn die Immobilie verkauft.

Mit 68 Jahren war für Walter Ullrich Ruhestand noch ein Fremdwort. Das unterscheidet ihn von Peter Millowitsch. Doch dieser Geburtstag liegt nun auch schon eine Weile zurück, mittlerweile ist der Vollblut-Theatermann 86 Jahre alt, und das Ende seiner Dienstzeit als Intendant des Kleinen Theaters Bad Godesberg rückt langsam in greifbare Nähe: 2019 soll endgültig Schluss sein – ein Datum, das Ullrich und Millowitsch wieder verbindet. Die Festlegung auf das Jahr 2019 hat jedoch nicht nur altersbedingte Gründe. In dem Jahr läuft der Mietvertrag mit der Stadt Bonn über die Immobilie im Bad Godesberger Stadtpark aus, zudem streicht die Stadt bis dahin die Zuschüsse von jährlich 80 000 Euro. Damit gehen auch die Landeszuschüsse über 44.500 Euro pro Jahr verloren, weil das Land keine Gelder gewährt, wenn die Kommune nicht auch zahlt. Ein Szenario, das nach Endspiel klingt.

Doch den Abgesang auf das Kleine Theater möchte die Kölner Theater-Frau Bettina Montazem noch lange nicht anstimmen. Aus ihrer Sicht hat das Haus noch großes Potenzial, und deshalb möchte sie es nach 2019 gerne weiterführen. Montazem: „Ich führe jetzt seit zehn Jahren ein Privattheater in Köln, und wir sind noch nicht in die Insolvenz gegangen. Also muss mir das mit den Zahlen ja irgendwie vertraut sein“, sagt die selbstbewusste Chefin des Kölner Ensembles Phoenix, das seine Produktionen bundesweit und im deutschsprachigen Ausland auf Tourneen erfolgreich vermarktet.

Identitätsstiftend für Bad Godesberg

Montazem hat das Haus in den vergangenen Monaten zu schätzen gelernt: „Ich kenne kein Theater, das so identitätsstiftend für seinen Ort ist, wie das Kleine Theater für Bad Godesberg. Ich sehe ein Publikum, das sein Theater liebt und eine starke Bindung zu dem Haus hat. Das ist sehr selten geworden. Es ist eine große Anstrengung wert, das zu erhalten.“

Dass sie 2019 als Nachfolgerin Ullrichs auch 1. Vorsitzende des Vereins Kleines Theater Bad Godesberg wird, ist bereits ausgemachte Sache. Aber da gibt es ja noch die Stadt und die Ratspolitiker. Eine nicht leicht zu überwindende Hürde für engagierte Bürger. Seit anderthalb Jahren verhandeln Montazem und ihre Mitstreiter Richard Bargel und Frank Oppermann, die das Theater als Intendanten-Trio in die Zukunft führen wollen, nun schon, haben im Kultur- und im Bezirksausschuss sowohl das künstlerische Konzept als auch ihren detaillierten Wirtschaftsplan vorgestellt. Der Spielplan soll sich an Ullrichs Tradition anlehnen mit Produktionen, die sich auch als Tourneeprogramm eignen. Das Ensemble Phoenix würde dann aufgelöst und im Kleinen Theater aufgehen. Dennoch: Auf eine Entscheidung aus dem Rat warten sie bislang vergebens.

Drei Modelle erarbeitet

Für die Übernahme nach Ablauf des Mietvertrags 2019 hatten Montazem und ihre Crew drei Modelle erarbeitet. Infrage kamen Erbpacht, Miete oder Kauf. Wegen der zähen Verhandlungen jedoch haben sie sich mittlerweile von den ersten beiden Optionen verabschiedet. „Wir stehen nur noch zur Verfügung, wenn die Immobilie verkauft wird“, sagte Montazem am Dienstag. Denn ihr ist sehr daran gelegen, so schnell wie möglich Planungssicherheit zu haben. Schon jetzt muss sie damit beginnen, den Spielplan für die Zeit nach Ullrichs Ausstieg festzuzurren. Nicht zuletzt auch wegen der komplexen Tourneeplanung.

Käuferin der Immobilie wäre eine wohlhabende Bad Godesberger Familie. Wenn das Haus in privater Hand wäre, könnten die Eigentümer sie preiswerter renovieren, als wenn dies nach städtischen Vergaberichtlinien geschehen müsste. Eigentlich beste Voraussetzungen, Ullrichs Lebenswerk zu erhalten. Doch Montazem wird ungeduldig. „Wenn wir Anfang Januar keine belastbare Entscheidung haben, müssen wir uns zurückziehen“, sagt sie. „Denn dann fehlt uns die Planungssicherheit und das finanzielle Risiko wird für uns unüberschaubar.“

Mehr von GA BONN