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Mary J. Blige in Düsseldorf: Klassischer Soul mit großer Stimme

Mary J. Blige in Düsseldorf : Klassischer Soul mit großer Stimme

Es soll ein Neubeginn sein. Der aktuelle Tonträger 'London Sessions' „hat mein Leben verändert“, bekennt die einstige Gospelsängerin Mary J. Blige zum Ende des Konzerts in der Düsseldorfer Mitsubishi Electric Halle.

Als die New Yorkerin für die "Sessions" indie multikulturelle Hauptstadt ging, um mit bekannten Musikgrößen der Insel (u.a. Sam Smith und E. Sandè) einAlbum aufzunehmen, befand sie sich in einer kreativen Sackgasse. Die Grenzenvon R&B und HipHop sollten überschritten werden. Das ist unüberhörbar inder Zusammenarbeit mit dem Garage-House Duo Disclosure. Disco trifft hier aufdie große Stimme des R&B. In England bei Kritikern und Fans erfolgreich,für Deutschland noch gewöhnungsbedürftig und irgendwie kaum bekannt.

Bei dem ersten von nur zwei Deutschlandkonzerten verlierensich die Zuhörer im Innenraum und auf den Sitzreihen. Entsprechend nervös und ein wenig hektisch wirkt die großeMary. Ihre Setlist ist lang. Mit 27 Stücken will sie sich ins Gedächtniszurückbringen, denn die besten Jahre liegen längere Zeit hinter der heute43-Jährigen. Sie bietet einen breiten Querschnitt aus 22 Bühnenjahren.

Die vierköpfige Band – allen voran ihr muskulöser Drummer – und die dreiChorsängerinnen geben ihr einen satten Hintergrund. Vor diesem tänzelt R&B-QueenMary in einem weißen Hosenanzug auf und ab, fordert die Fans mit weitausladenden Gesten auf, mehr „Noise“ zu machen. Die ersten sechzehn Songsrauschen im Stakkato-Tempo vorbei. Allein „Seven Days“ und „Take Me As I Am“bringen etwas Tiefe und Akzentuierung. In der Umziehpause zeigt die Band, wasan Spannung alles in ihr steckt. Ein Höhepunkt des Abends.

Mary J. Blige erscheint im roten Hosenanzug. Ab sofort ist auch dieBühnenbeleuchtung in tiefes Rot getaucht. Rot ist eine Farbe, die Mary offenbarzu ihren besten Leistungen anstachelt. Schon bei „My Life“, dem ersten Stückdes zweiten Teils, überwältigt sie mit imponierend gewaltiger Stimme. Auch derGitarrist darf endlich Aufregendes auf seinem Instrument beisteuern.

Die beschwingte R&B-Nummer „Therapy“ leitet einen kurzen Block vom aktuellen Album ein. Therapeutenwird es begeistern, zu hören, wie glücklich man werden kann, wenn man zwei Malpro Tag zur Therapie geht. Das machtdoch Mut. Selbstzweifel werden gleichzeitig beseitigt, erklärt Mary imfolgenden „Doubt“. Klassischer Soul mit großer Stimme, die bei den folgenden Stücken über rummsende House-Beats gelegtwird.

In Englands Discos ist das Experiment gut angekommen, hier wartet nochder Durchbruch. Mary wird zunehmend gelöster und bietet zum Ende das ganz große,das überwältigende Gefühlsdrama. „No More Drama“ ist so intensiv, dass dasPublikum vor Begeisterung „Noise“ macht. Man kreischt, klatscht und trampelt mitden Füßen. Es ist das Drama, das sie ambesten kann – auch wenn sie es gar nicht will!

Das zweite Deutschlandkonzert findet am 7. Juli in derJahrhunderthalle in Frankfurt statt.