Oper in Köln: Klasse Sänger, schwächelnde Regie: Johann Adolf Sasses "Leucippo"

Oper in Köln : Klasse Sänger, schwächelnde Regie: Johann Adolf Sasses "Leucippo"

Selbst in Arkadien, dem mythischen Wohlfühlort der Antike, herrschte nicht immer eitel Sonnenschein. In der Oper "Leucippo" des einstmals sehr berühmten, 1699 nahe Hamburg geborenen Komponisten und langjährigen Dresdner Hofkapellmeisters Johann Adolf Hasse braut sich für den Titelhelden eine ziemlich gefährliche Situation zusammen.

Und Schuld ist - wieder einmal - die Liebe. Denn Leucippo hat sein Herz an die Nymphe Dafne verloren, die aber zu Keuschheit verpflichtet ist. Dafür verhängt Arkadiens Oberpriester das Todesurteil über ihn.

Die Kölner Oper, die mit diesem barocken Werk letztmals eine Premiere im Palladium als Interimsspielstätte präsentierte, möchte Hasse wieder etwas ins Bewusstsein rücken. Dass dies auch mit unbekannteren Werken und Komponisten funktionieren kann, hat man im vergangenen Jahr mit dem "Artaserse" des italienischen Barockmeisters Leonard Vinci gezeigt. Da war es keine schlechte Entscheidung, im "Leucippo" auf ein paar Stützen der älteren Produktion zurückzugreifen.

Das Alte-Musik-Ensemble Concerto Cöln spielte die Musik unter der Leitung des ebenfalls Artaserse-erfahrenen Gian Luca Capuano überaus lebendig, akzentuiert und zum Teil - wie in der Ouvertüre - richtig mitreißend. Das üppig besetzte Orchester hatte selbst in den reichen Bläserstimmen in den Arien gut zu tun. Dass seine italienischen Fans Hasse als "Il divino Sassone", der göttliche Sachse, huldigten, erscheint nicht ganz unbegründet.

Ganz besonders deutlich wurde das in Gesangsszenen wie dem orchesterbegleiteten Rezitativ Leucippos, als er von Dafne und der Welt Abschied nimmt. Das bewegte wegen der Komposition, des Spiels des Orchesters und der wunderbaren, reinen Sopranstimme des Countertenors Valer Sabadus.

Seiner Liebsten Dafne schenkte Regina Richter mit ihrer Mezzostimme ein überaus reiches Gefühlsleben. Klara Ek (Climene) und Luke Stoker (Nunte) brachten als das genretypische "niedere Paar" auch ein paar komische Momente ins Spiel. Claudia Rohrbach war ein temperamentvoller Delio/Apollon, Kenneth Tarver schließlich sang mit würdiger Strenge den Oberpriester Nunte. In Tatjana Gürbacas Inszenierung, die als Koproduktion mit den Schwetzinger Festspielen in Köln entstand, war er aber eher der Schuldirektor.

Die Regisseurin hatte das arkadische Spiel in eine Art runden Klassenraum (Bühne: Henrik Ahr) verlegt, der mit pubertierenden Jungs und Mädels gefüllt war. Personell aufgestockt um die Sängerinnen und Sänger des musikalisch unterbeschäftigten Ensembles Barock Vokal Mainz. Das Konzept funktionierte trotz vieler schlüssiger Ideen nur bedingt. Problematisch etwa war der Versuch, die dramatische Statik der Opera Seria in ein statisches Bühnenbild mit immer gleich heller Beleuchtung zu überführen.

Dem steuerte selbst Gürbacas aktionistische Personenführung meist vergebens entgegen. Viel Beifall für Orchester, Sänger und Regie. Und etliche leere Stühle nach der Pause.

Info

Weitere Aufführungen: 7., 9. und 11. Oktober. Karten gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.

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