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Konzert beim Bonner Beethovenfest: Kit Armstrong begeistert mit Beethoven

Konzert beim Bonner Beethovenfest : Kit Armstrong begeistert mit Beethoven

Der 26-jährige Pianist und die Academy of St Martin in the Fields werden für ihre Interpretationen von Werken Mendelssohn Bartholdys, Beethovens und Mozarts im WCCB gefeiert.

"Schicksal“ lautet bekanntlich das Motto des diesjährigen Beethovenfests, was in vielen Konzerten inhaltlich deutlich zu spüren ist. Nicht so beim Gastspiel der Academy of St Martin in the Fields und des Pianisten Kit Armstrong im bestens besuchten großen Saal des WCCB. An diesem Dienstagabend machte das Schicksal Urlaub, selbst Wolfgang Amadeus Mozarts zum Schluss gespielte Sinfonie Nr. 40 ist trotz der Moll-Tonart eher von düster-melancholischer Natur als von schicksalhaftem Pathos geprägt. Das Orchester spielte sie unter Leitung seines deutschen Konzertmeisters Tomo Keller mit Verve und rhythmisch pointiert. Hier erlebte man einen anderen, moderneren Klang als zu Zeiten des Ensemblegründers Sir Neville Marriner.

Gleichsam als Ouvertüre spielten sie mit herrlich homogenem Zugriff die einsätzige Streichersinfonie Nr. 10 in h-Moll des zum Zeitpunkt der Komposition gerade einmal 14-jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy. Zwischen diesen beiden Komponisten, die ihr Musikerleben als Wunderkinder begannen, dürfte sich der Solist des Abends, Kit Armstrong, ausgesprochen wohlgefühlt haben. Er weiß, wie es ist, als hochbegabtes Kind aufzuwachsen. Zu seinem Glück jedoch konnte er sich Zeit nehmen, nicht nur seine musikalischen Talente, sondern auch seine mathematischen und naturwissenschaftlichen Interessen in Ruhe auszubilden. Heute ist er mit 26 Jahren ein geerdeter Musiker, wie man an diesem Abend an seinen Interpretationen von Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 2 in B-Dur und Mozarts Rondo für Klavier und Orchester in D-Dur KV 382 hören konnte.

Im Klavierkonzert gefiel seine makellose Spieltechnik, die ihm erlaubt, dem Werk eine gewisse Leichtigkeit zukommen zu lassen. Die Läufe und Figuren wirkten elegant und flüssig, das Zusammenspiel mit dem Orchester lief ohne Reibungsverluste. Überraschend dann der Schluss des ersten Satzes, wo Armstrong statt Beethovens eigener Kadenz eine eigene Alternative vortrug, die wie eine Improvisation anmutete und in ihren virtuosen und fantasievoll ausgeführten Passagen Themen und Motive in immer wieder neuem Licht erscheinen ließ. Für die Orchestermusiker schien es nicht so ganz leicht, das Ende dieser spannenden Reise eindeutig zu identifizieren, und so mussten sie für ihren Einsatz ein deutliches Signal Armstrongs abwarten. Mit großer Empfindung spielte Armstrong dann die üppigen Figurationen im verträumten Adagio. Das kecke Rondo begeisterte durch mitreißende Spritzigkeit. Auch der Mozart-Satz nach der Pause wirkte ausgesprochen heiter.

Nachdem anschließend die Mozart-Sinfonie verklungen und vom Publikum gefeiert worden war, kündigte Keller noch einen Walzer von Leonard Bernstein als Zugabe an. „Versuchen Sie einmal, ihn im Geiste mitzutanzen“, ermunterte er die Zuhörer. Eine echte Herausforderung. Denn das Stück steht im 7/8-Takt.