Vergnügliche Premiere: "Kiss me, Kate" in der Bonner Oper macht viel Spaß

Vergnügliche Premiere : "Kiss me, Kate" in der Bonner Oper macht viel Spaß

Drei vergnügliche Stunden bietet Martin Duncans „Kiss me, Kate“-Produktion in der Bonner Oper. Bettina Mönch ist klasse als Kratzbürste.

Zum Glück gibt es noch keine gesetzlichen Vorschriften, Theaterstücke mit Warnhinweisen zu versehen. Auf dem Aufkleber von „Kiss me, Kate“ stünde sonst: „Das Besuchen dieser traditionelle Geschlechterrollen propagierenden Aufführung gefährdet Ihre politische Korrektheit. Der Genuss kann zu schwerwiegenden Schäden im Verständnis von Emanzipation und Gleichstellung führen.“ Aber nur bei denen, die keinen Spaß verstehen und nicht souverän genug sind, sich für drei höchst vergnügliche Stunden in eine absurde Parallelwelt zu begeben, wo der Mann am Ende die Oberhand behält.

Das Publikum in der Bonner Oper hat damit keine Probleme und honoriert die Premiere des Musicals mit anhaltendem Jubel.

Shakespeares „Widerspenstige“ lieferte die Vorlage, die Samuel und Bella Spewack 1948 in eine doppelbödige amerikanische Gegenwart übersetzten. Der Schauspieler und Regisseur Fred Graham bringt gemeinsam mit seiner Exfrau Lilli Vanessi das Musical „Kiss me, Kate“ auf die Bühne – er als Petrucchio, sie als widerspenstige Katharina. Mit von der Partie ist auch Freds neue Flamme Lois, die Kates fromme Schwester Bianca darstellen soll.

Weil es zwischen Fred und der inzwischen mit einem reichen General verlobten Lilli immer noch knistert, entflammt Letztere während der Aufführung in Eifersucht und teilt so lange Ohrfeigen und Tritte gegen ihren Ex aus, bis dieser sie kurzerhand vor aller Augen übers Knie legt. In Pirandello-Manier verschmelzen in dieser Szene alle Realitäten miteinander, niemand weiß mehr genau, ob nun Petrucchio und Kate im Clinch liegen oder Fred und Lilli.

Mit den genialen Songs von Cole Porter wurde „Kiss me, Kate“ zu einem der erfolgreichsten Stücke der Musicalgeschichte. Martin Duncans Inszenierung, die vor drei Jahren schon an der Oper Dortmund über die Bühne ging, zeigt den Klassiker in seinem besten Licht. Unter der Leitung von Daniel Johannes Mayr mutiert das Beethoven Orchester Bonn zur Big Band, die jeden Wimpernschlag von Porters musikalischem Augenzwinkern mit Swing und Schwung zelebriert. Die prachtvoll ausstaffierten Solisten, Chorsänger und Tänzer haben großen Spaß auf einer Bühne, die mit ihren schräg zulaufenden Häuserfronten und Innenräumen immer wieder neue Einblicke und Perspektiven eröffnet.

Zwischen den Hinterhöfen und Theatergarderoben von Baltimore rockt die groovige Choreografie von Nick Winston und Ste Clough über jede Länge hinweg. Ein Höhepunkt ist die Eröffnung des zweiten Akts, wo das Tänzerensemble um Lukas Schwedeck mit so viel Tempo und Sex-Appeal agiert, dass es auch unten im Saal allein vom Zuschauen „Too Darn Hot“ wird.

Anders als die gesprochenen Dialoge sind die Songs, darunter Evergreens wie „Wunderbar“, „So in Love“ und „I Hate Men“, mit all dem Sprachwitz des englischen Originals zu hören. Ausnahme: „Schlag nach bei Shakespeare“, der musikalische Parforceritt durch das Werk des Barden, den die Ganoven Michael Schanze und Hans-Jürgen Schatz recht charmant auf Deutsch singen. Überhaupt ein nettes Gaunerpärchen, diese beiden, der eine droht gemütlich wienerisch, der andere ganz unverblümt mit Berliner Schnauze.

Bettina Mönch, dem Bonner Publikum aus dem „Kleinen Horrorladen“ und als Evita in bester Erinnerung, überzeugt mimisch und stimmlich als Kratzbürste. Die Wandlung zum sanftmütigen Eheweib nimmt man ihr weniger ab, aber das ist vielleicht auch so gewollt. Oliver Arno ist ein souveräner Fred/Petrucchio, dessen erzieherischer Sadismus jedoch sehr viel sanfter daherkommt als bei Shakespeare – gemildert von der sehnsüchtigen Erinnerung an vergangenes Glück.

Mühelos schafft Kara Kemeny als Lois/Bianca den Spagat zwischen naivem Herzchen und dem mit allen Wassern gewaschenen Showluder; der an ihren Dauerfreund Bill (Frank Wöhrmann) gerichtete Bekenntnissong „Always True to You“ funkelt vor Witz.

So fehlt am Ende nur noch Käthchens Kuss. Mit dem kriegt Regisseur Martin Duncan so gerade noch die Kurve. Denn dieser Kuss, so viel sei verraten, hat so gar nichts Unterwürfiges an sich.

Die nächsten Vorstellungen: 23. und 30. September, 6. und 26. Oktober. Karten gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.

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