Ausstellung in der Galerie Gisela Clement: Keti Kapanadze zeigt eine Welt in Auflösung

Ausstellung in der Galerie Gisela Clement : Keti Kapanadze zeigt eine Welt in Auflösung

Die in Bonn lebende Georgierin Keti Kapanadze beeindruckt mit einem breit angelegten Werk, das neben Malerei auch Videokunst, Fotografie und Installationen umfasst. Die Werke sind in der Galerie Gisela Clement zu sehen.

Ein Blick auf Keti Kapanadzes Homepage konfrontiert den Surfer mit einer Ruine und etwas Schrift, die, sobald die Computermaus sie berührt, in Flammen aufgeht. Ein Klick, und man bewegt sich weiter in Kapanadzes Universum. Eine spannende Reise, die zu weiteren Ruinen führt, zu Wohnräumen, die offenbar durch Künstlerhand neu sortiert oder organisiert wurden, zu Schriften, die mit lateinischen Buchstaben oder dem blumig-verspielten georgischen Alphabet Botschaften in die Welt bringen. Ein spannendes Universum mit einer eigenwilligen, biografisch geprägten Sprache.

Munter dreht sich ein Dressurpferd im Video, das mit eher improvisierten Mitteln ans untere Ende der Wand knapp über die Fußleiste projiziert wird. Der Betrachter muss sich regelrecht verbiegen, um Kapanadzes Arbeit zu erleben. Dressur? Verbiegung oder Verbeugung? Wer um die Biografie Kapanadzes weiß, die einst im sowjetischen Georgien lebte, wird diese Begriffe anders gewichten und deuten, als jemand, der diesen Hintergrund nicht kennt. Kapanadze spielt mit Andeutungen.

Das macht ihre schöne Ausstellung in der Galerie Gisela Clement so aufregend: Spielerisch und voller versteckter Hinweise lässt die 1962 in Tiblisi geborene und in Bonn lebende Georgierin in ein breit angelegtes Werk blicken, das neben Malerei und Zeichnung auch Videokunst, Fotografie, Schrift- und Installationskunst umfasst.

Wie ein folkloristisches, leichtes Muster

Alltagsdinge, bestehende Ordnungen, üben einen besonderen Reiz auf die Georgierin aus. Zum Beispiel „leiht“ sie sich für acht Minuten – so lange braucht das Licht von der Sonne zur Erde – die Wohnzimmer von Freunden aus. Sie baut sie um, greift in die gewachsene Ordnung ein, geht wie eine Bildhauerin vor, verändert das Display, fotografiert es. Fertig. Bei Clement sind etliche solcher, in Schwarz-Weiß-Fotos festgehaltenen Umbau-Aktionen zu sehen. „Harmonic Enterprises“, nennt sie sie. Auf einem Bild sind einfach alle Stühle in die Mitte gerückt und getürmt worden.

Das erinnert an zwei Wandinstallationen aus demontierten Blumentischchen und Blumenétagèren aus den 1950er Jahren, deren Bestandteile, Beine und Tischplatten, in eine neue, witzige, ornamentale und sehr bunte Ordnung gebracht werden – wahlweise auch in eine eher auf Grautönen basierende Organisation.

Es sieht aus wie ein folkloristisches, leichtes Muster, dann und wenn entdeckt das geschulte Auge Nasen, Augen, Münder von Comic-Figuren. Hier drängt sich der historische Kontrast auf: In den 1950er Jahren war der Diktator Josef Stalin, Kapanadzes Landsmann, der brutale Herrscher der Sowjetunion – und die Kunst hatte klaren politischen Prämissen zu folgen.

Kapanadze versteht es auch, in ihrer Malerei das Triviale und Versatzstücke der Pop-Kultur mit dem Hintergründigen zu verbinden, Schrift und Ornament als eigene ästhetische Bestandteile ins Bild zu bringen. Fantastisches und Mythisches trifft auf rätselhafte Figuren. Wie bei den Blumentischen stehen mit einem ironischen Augenzwinkern hier die Dekonstruktion der Wirklichkeit und deren Neuordnung im Mittelpunkt. Ein weites Feld für Assoziationen.

Galerie Gisela Clement, Galeriehaus Lotharstraße 104; bis 14. März (über Karneval bis 5. März geschlossen). Mi-Fr 14- 18, Sa 13-17 Uhr und nach Vereinbarung.

Mehr von GA BONN