Mathias Richling in der Bonner Oper: Kein Wort über die AfD

Mathias Richling in der Bonner Oper : Kein Wort über die AfD

Der Kabarettist Mathias Richling führt in der Bonner Oper ausgewählte deutsche Politiker vor. Böse ist das – und leider auch ein wenig konturlos.

Eine sonderlich positive Weltsicht scheint Mathias Richling derzeit nicht zu haben. „Was wir besitzen, ist die Grausamkeit des Augenblicks“, sagt der Kabarettist gegen Ende seines umjubelten Auftritts im Rahmen der Bonner Reihe „Quatsch keine Oper“ – ein Moment, der schon vorbei ist, sobald man ihn auch nur bemerkt, und der heutzutage ohnehin jegliche Wertschätzung verloren hat.

Was bringt einem schon das Jetzt, wenn man permanent ans Morgen denken muss? Und was kümmert das Geschwätz von gestern? Oder von heute? Vor allem in der sich von Wahlkampf zu Wahlkampf hangelnden Politik nimmt die Versprechensbekämpfung längst überhand – und jemand wie Richling deckt diesen Zustand gnadenlos auf.

Beziehungsweise lässt ihn aufdecken. Denn auch wenn der 63-Jährige sein aktuelles Programm „Richling spielt Richling“ tituliert hat, kommt er selber nur mittelbar zu Wort, gebrochen durch die von ihm seit Jahren gepflegten Parodien deutscher Volksvertreter. Und die haben es in sich.

Richling geht es nicht darum, alles verständlich werden zu lassen. Er will nicht erklären, er will nur aufzeigen. Und selbst dabei muss das Publikum hochkonzentriert sein, da der Schwabe sowohl intellektuell als auch verbal ein hohes Tempo vorlegt, während er von einem Stuhl zum nächsten springt und auf jedem eine neue Figur vorfindet. Natürlich ist Angela Merkel mit von der Partie, ebenso wie Horst Seehofer, Andrea Nahles, Norbert Blüm oder Kurt Beck.

Auffällig: Die Grünen bleiben mit Ausnahme von Landesvater Winfried Kretschmann außen vor, ebenso wie die Linken. Und wie die AfD-Mitglieder, obwohl Frauke Petry, Alexander Gauland oder Beatrix von Storch mehr als genug Material für dieses kabarettistische Chamäleon bieten. Stattdessen sind es andere, denen Richling deren Parolen in den Mund legt: „Die Armut, die die Flüchtlinge brauchen, können wir ihnen gar nicht bieten“, lässt er etwa zynisch Horst Seehofer sagen.

Böse ist das – und leider auch ein wenig konturlos. Denn worauf Richling eigentlich hinauswill, wird während des 100-minütigen Dauerfeuers, in denen die Worthülsen auf der Bühne klirren und die Phrasengeschosse große Löcher in den ohnehin schon mottenzerfressenen Mantel der Ehrbarkeit schlagen, keineswegs klar.

Zwar ist als Leitfrage der Umgang mit der Politik ausgegeben worden, doch einer Antwort entzieht sich Richling. Und klagt am Ende nur über das Leben als Phantomschmerz, das man zu haben glaubt und das doch nur wehtut. Gut, vielleicht ist das Entlarven der Politiker als homöopathische Behandlung gedacht. Zur Heilung reicht das nicht.

Nächster Termin in der Reihe „Quatsch keine Oper!“: Hagen Rether, Sonntag, 28. August, 19 Uhr.

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