Vor der Premiere: Kalle Pohl spielt in Bonn "Charleys Tante"

Vor der Premiere : Kalle Pohl spielt in Bonn "Charleys Tante"

Seine Schauspielschule war die Dorfkneipe der Eltern: Der bekannte Bühnen- und TV-Kabarettstar ist ab kommender im Contra-Kreis-Theater zu sehen.

Das 1892 in London uraufgeführte und mehrfach verfilmte Stück ist ein absoluter Boulevard-Klassiker. Es blieb der einzige große Bühnenerfolg des britischen Autors Brendan Thomas (1850-1914), machte ihn jedoch reich und unabhängig.

Trotz der Gattungsbezeichnung „Schwank“ ist es eine echte Komödie und keine schlichte Travestienummer, wie Regisseur Jan Bodinus beim Pressegespräch im Contra-Kreis betont: „Es ist vor allem eine wahnsinnig schöne Geschichte mit tollen Charakteren. Ein bisschen Slapstick, ein bisschen heile Welt, aber auch viele menschlich anrührende Szenen. Der Gärtner Brassett liebt das Theater und soll als seine erste Rolle die Julia beim Oxford Drama Club spielen. Nun bekommt er, weil er zufällig das Kostüm dabei hat, schon vorher einen großen Auftritt, den er wirklich fabelhaft bewältigt.“

Als dringend benötigte Anstandsdame beim ersten Date der Studenten Jack (Felix Bold, zum ersten Mal am Contra-Kreis engagiert) und Charley (David Imper) mit ihren angebeteten jungen Damen Kitty (Olja Artes) und Amy (Christine Last). Die Zeit drängt, denn alle sind verliebt, was in jener Epoche noch direkt zur Heirat führt.

Die Inszenierung verlegt die Handlung zwar vom Ende des 19. in die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts (1918 erkämpften sich aufgeweckte Frauen in Europa das politische Wahlrecht), aber ohne weibliche Zeugen erscheint ein Lunch von Jungs und Mädels als komplett sittenwidrig. Leider verspätet sich Charleys per Telegramm angekündigte Tante Lucia (Reinhild Köhncke), die in Brasilien zu sagenhaftem Reichtum gekommen ist. Weil es in Komödien keine Zufälle gibt, ist sie die Jugendliebe von Jacks Vater Sir Francis Chesney (Kay Szacknys), der nicht nur ziemlich pleite ist, sondern auch höchst angetan von Charleys überaus sympathischer „Tante“.

"Ich fühle mich immer wohler in der Rolle"

Der bekannte Bühnen- und TV-Kabarettstar Kalle Pohl gibt damit sein Contra-Kreis-Debüt. „Ich fühle mich immer wohler in der Rolle“, gesteht er: „Klar, mit zunehmendem Alkoholeinfluss (natürlich nicht echt) und zwei hübschen klugen Mädels unter den Fittichen…“. Ganz im Ernst: „Komödien sind das Schwierigste am Theater. Sie fordern viel Konzentration und wie Musik und Choreografie ein präzises Timing. Meine beste Schauspielschule war die Dorfkneipe meiner Eltern. Alle denkbaren lustigen und traurigen, erbärmlichen und unverdrossenen Charaktere konnte man da studieren – bevor oder nachdem sie betrunken waren.“ Außerdem mag er die besondere Kreis-Atmosphäre („wie bei den antiken griechischen Theatern“) mit ihrer im Gegensatz zu den üblichen Guckkastenbühnen direkten Nähe zum Publikum. Pohl nennt als großes Vorbild für seine Bühnenfigur übrigens Oliver Hardy in dem Stummfilm von 1915.

Dass die Probenzeit recht kurz bemessen ist, hat einen einfachen Grund. Die Produktion lief im letzten Sommer bereits bei den seit 2015 von Bodinus geleiteten Schlossfestspielen Neersen. Der Umzug von einer großen Open-Air-Bühne in die kleine Arena im Bonner Stadtzentrum fordert indes (außer der Neubesetzung etlicher Rollen) eine Menge neuer Ideen. Manchmal nach dem strengen Motto des Regisseurs: „Das ist supertoll, lass es weg!“

„Man muss in guten Komödien die Menschen mit ihren kleinen Tragödien ernst nehmen“, erklärt Regisseur Bodinus, bevor das Team wieder an die Arbeit geht, damit bald viele andere den intelligenten Spaß mit ihm teilen können.

Premiere hat „Charleys Tante“ am 13. Dezember im Contra-Kreis-Theater und läuft dann fast täglich bis Mitte Februar. Zu Silvester gibt es sogar drei Vorstellungen.