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Ausstellung in Köln: Käthe Kollwitz Museum zeigt Selbstbildnisse seiner Namenspatronin

Ausstellung in Köln : Käthe Kollwitz Museum zeigt Selbstbildnisse seiner Namenspatronin

Das Kölner Käthe Kollwitz Museum zeigt Selbstbildnisse seiner Namenspatronin. In den Parcours sind immer wieder Fotografien berühmter Lichtbildner wie Hugo Erfurth, Philipp Kester oder Lotte Jacobi gestreut.

Neugierig, aber noch ein bisschen unsicher schaut die junge Frau den Betrachter an, wobei ihre Augen dem Gegenüber stets zu folgen scheinen. Diese Tuschezeichnung von 1888 kann Kölns Käthe Kollwitz Museum nun stolz als erstes Selbstbildnis seiner Namenspatronin präsentieren.

Ein erster Glücksfall dieses Ausstellungsjahrs, das ganz dem 150. Geburtstag der Künstlerin (1867- 1945) gewidmet ist. „60 Jahre lang hat dieses Blatt auf einem Münchner Dachboden gelegen“, erzählt Museumschefin Hannelore Fischer, „und ist doch in wunderbarem Zustand.“ Die Kollwitz-Biografen Sonya und Yuri Winterberg waren auf das Werk gestoßen, das die junge Zeichnerin damals ihrer Studienfreundin Marianne Fiedler geschenkt hatte. Aus deren Nachlass kommt es nun als Dauerleihgabe nach Köln.

Und dann ist da noch ein zweiter Glücksfall: Ein halbes Jahr nach der Kölner Schau „Gussgeschichten“ tauchte in einem New Yorker Auktionshaus einer von überhaupt nur drei Bronzeköpfen der Kollwitz auf, die diese noch zu Lebzeiten hatte gießen lassen.

Und da es der Kreissparkasse Köln als Museumsträger gelang, das Stück (auch aufgrund nobler Zurückhaltung der Bieterkonkurrenz) zu ersteigern, kann man dessen überragende Qualität bestaunen. Wirkt der posthume Guss daneben flach, so ist dieses 1937 gegossene Selbstporträt bis in die feinen Stirnfalten und die zarte Haut der Augenlider äußerst delikat.

Neben diesen spektakulären Neuzugängen besitzt das Haus am Neumarkt freilich mehr als genug Werke, um die Schau „Die Seele nach außen – Kollwitz in Selbstporträts“ imponierend zu bestücken. So zeigt sich die junge Kreative schon ein Jahr nach dem ersten Selbstporträt mit Hand am Revers in selbstbewusster Künstlerpose oder später beim Radieren am Tisch.

"Wahrhaft, echt und ungefärbt"

In den Parcours sind immer wieder Fotografien berühmter Lichtbildner wie Hugo Erfurth, Philipp Kester oder Lotte Jacobi gestreut, auf denen Käthe Kollwitz oft sehr viel weiblicher, eleganter wirkt als in ihren Selbstporträts. „Wahrhaft, echt und ungefärbt“ will sie sein, zeichnet sich aber 1911 mit Kohle und schwarzer Kreide älter, als sie ist. Vielleicht um so ihre Nähe zu den früh verhärmten Arbeiterfrauen aus der Nachbarschaft zu zeigen.

Überraschend sinnlich wirkt sie auf einem Bild von 1910, doch 1915, ein Jahr nach dem Kriegstod ihres Sohns Peter, ist es damit vorbei: Sie stellt sich mit verweint-verquollenem Gesicht und erschütternd leerem Blick dar. Im Tagebuch notierte sie dazu später: „Von da an datiert für mich das Alter. Das dem Grabezugehn.“

Freilich offenbart die Kollwitz nicht nur eigenes Leid, sondern bekennt sich zur „Verwesentlichung“, so dass sich in ihren Selbstporträts zugleich das Leid der Kriegs- und Nachkriegszeit spiegelt. Wie schonungslos sie zudem auf das Altwerden blickte, zeigt ihr letztes, wohl 1938 entstandenes Selbstporträt, auf dem sie mit verschattetem Blick und gebeugtem Rücken aus dem Bild geht.

Schon diese Werke lohnen den Besuch der schön gehängten Schau, die ihre Hauptfigur freilich in einer reizvollen Doppelbelichtung zeigt: Denn in die Dauerausstellung sind jene „verkapptem Selbstbildnisse“ eingestreut, in denen sich die Künstlerin (manchmal wohl aus Mangel an Modellen) selbst gewissermaßen ins Bild „schmuggelte“. Man entdeckt sie im innigen „Liebespaar, sich aneinander schmiegend“ ebenso wie im dramatischen „Abschied“ – ein Blatt, das die Todesangst um ihren Sohn Hans geradezu greifbar werden lässt.

Oft verschmelzen die Züge der Künstlerin mit denen anderer Frauen, und doch kann man sie als Schutzmantelmadonna auf der Kreidelithographie „Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden“ unschwer erkennen. Wie sie drei bang dreinblickende Kinder unter dem Stoff birgt, wirkt wie ein kraftvolles Testament.

Bis 22. Februar, Di-Fr 10-18, Sa/So 11-18 Uhr. Neumarkt 18-24. museum@kollwitz.de