Pink Punk Pantheon: Kabarettistische Karnevalsrevue startet in 36. Session

Pink Punk Pantheon : Kabarettistische Karnevalsrevue startet in 36. Session

Die kabarettistische Karnevalsrevue Pink Punk Pantheon startet in ihre 36. Session mit bissigen Breitseiten gegen die Bonner Kommunalpolitik.

Als Gender-Mainstreaming bezeichnet man gemeinhin allerlei Strategien zur Gleichstellung der Geschlechter. Schön und gut, doch Fritz Litzmann (Rainer Pause) und Hermann Schwaderlappen (Norbert Alich) – dem Alterspräsidenten und dem Vorsitzenden des 1. FKKVB Heimatverein Rhenania n.v. 1983 – ging das Ganze wohl nicht schnell genug. Weshalb sie im Laufe der nunmehr 36. kabarettistischen Karnevalsrevue namens Pink Punk Pantheon (PPP) zu unübersehbar drastischen Mitteln greifen werden.

Welche genau das sind, soll an dieser Stelle selbstredend nicht preisgegeben werden. So viel nur vorweg: Diejenigen, die sich regelmäßig zu PPP einfinden, werden sich die Augen reiben, denselben nicht so recht trauen wollen und sich schließlich, im Laufe des Abends, doch an den Anblick gewöhnen. Was tut man nicht für die gute Sache (siehe oben)? Abgesehen davon gilt auch 2019: „Alles wird neu, so wie's immer war.“

Aber wie war es denn nun anno 2018? Ereignisreich, wenn man den Pantheoniken glauben darf, die in bayerischer Tracht mit Juchzen und Jodeln zum Bandltanz aufmarschieren. Die schwarze Fahne wehend vornweg. Wobei das unverkennbar zackige Logo des Hauses schon einigen patriotischen Wind aus den Segeln nimmt. Und mit Schwaderlappen setzt die Euphorie endgültig auf dem Boden auf: „Heimat ist da, wo man seine Beiträge entrichtet.“ Sagt der Mann, der uns schon mit Sätzen wie „Humor muss verwaltet werden“ davor bewahrt hat, es allzu toll zu treiben.

Tatsache ist: Mag der deutscheste aller Ströme im Laufe eines langen trockenen Sommers auch vorübergehend zum Bachlauf mutiert sein, trennt er nun wieder das Hiesige vom Dortigen und gibt der Kennedybrücke ihre recht eigentliche Bestimmung zurück.

Beethovenhallen-Desaster

Ein Stück weiter – am diesseitigen Ufer – liegt die Beethovenhalle, deren Sanierungskosten die magische 100-Millionen-Marke überschritten haben; ganz so, wie es Fritz und Hermann den Bonnern schon vor Jahr und Tag versprochen hatten. Es gibt eben auch hier Dinge, auf die man sich verlassen können muss. Bis zum schönen Tag, dereinst die Uni-Tiefgarage zum Museum erklärt wird.

So weit zum Lokalpatriotismus. Kommen wir nun zu etwas ganz anderem: die mit Union-Jack-Glitzer-Shirts ausstaffierte Hausband zum Beispiel, die Solidarität mit Flüchtlingen aus Großbritannien übt. Während sich Maryam „Namika“ Yazdtschi mit wohligen Tönen einem Landsmann aus Dresden nähert: „Ich sprech kein Sächsisch, aber bitte red weiter ...“ Später am Abend werden wir sehen, was Verbindungen zwischen West und Ost auf Dauer haltbar macht.

Doch wie lange wird Karneval noch der Karneval sein, den wir kennen? Schreitet doch die Digitalisierung munter voran. Und Volker Büdts – der ebenso wie Regisseur Mark Sonnleithner zur 36. Session von Köln aus neu verpflichtet wurde – zeigt, wie das aussehen könnte. Sollte man jeckes Kulturgut also vorsichtshalber in Formeln fassen? Die Mathematikgenies dort auf der Bühne geben sich redlich Mühe. Aber die Fields-Medaille war, verglichen damit, leicht verdientes Geld.

Unerschrockene Analyse

Davon können Pflegekräfte allenfalls träumen. Wovon noch, erklärt uns Gabi Busch und erinnert dabei nicht umsonst an Loriots Grzimek mit seiner Steinlaus. Tunç Denizers unerschrockene Analyse des Gangsta Raps macht auch zu den übrigen vier Jahreszeiten Spaß. Das Streitgespräch über die EU wiederum dürfte Kenner von Monty Pythons „Leben des Brian“ entzücken: Klingen einem die Klagen über Brüssel nicht in die Ohren wie das Lamento der „Judäischen Volksfront“? Und die Not-OP verweist in Zeiten, als Jim Henson die TV-Comedy mit seinen Pupen revolutionierte und Doktor Rowlf in der Muppet-(Tier)Klinik sein Skalpell schwang.

So betrachtet ist das viel zitierte Credo „Mer lache über jede Driss, auch wenn fast nix ze lache is“ von dieser Session nun endgültig überholt worden. Denn es gibt sogar eine ganze Menge. Man braucht es sich nur noch auszusuchen.

Karten gibt es noch für den 9.,10., 22. und 23. und alle Sonntage im Januar. Erhältlich in den Bonnticket-Shops des General-Anzeigers sowie unter www.ga-bonn.de/tickets

Mehr von GA BONN