Thalia in Bonn: Junges Theater Bonn inszeniert "Die Schatzinsel"

Thalia in Bonn : Junges Theater Bonn inszeniert "Die Schatzinsel"

Das Junge Theater Bonn inszeniert den Abenteuerklassiker "Die Schatzinsel" im Metropol-Kuppelsaal der Thalia-Buchhandlung am Bonner Markt. Premiere ist am Samstag, 23. März.

Beinahe wäre seine erste große Fernsehrolle auch seine letzte gewesen. Michael Ande, der später in der Krimiserie "Der Alte" jahrzehntelang den zuverlässigen Kriminalhauptmeister Gerd Heymann mimte, hatte einfach riesiges Glück. 1966 stand er für den deutsch-französischen TV-Vierteiler "Die Schatzinsel" als Jim Hawkins in einer Hauptrolle vor der Kamera. Am letzten Drehtag kam es zu einem schweren Unfall: Michael Ande stolperte in einer Szene auf der "Flucht" vor den Seeräubern und stürzte in sein eigenes Messer. Er wurde lebensgefährlich verletzt und musste notoperiert werden.

Besagter Vierteiler, der sehr erfolgreich (auch in Wiederholungen) im ZDF ausgestrahlt wurde, hatte viele Fans. Auch Andreas Lachnit gehörte zu ihnen. Der erfahrene Theaterregisseur inszeniert für das Junge Theater Bonn (JTB) den Abenteuerklassiker "Die Schatzinsel" nach dem Roman von Robert Louis Stevenson in einer ungewöhnlichen Version im Metropol-Kuppelsaal der Thalia-Buchhandlung am Bonner Markt. Premiere ist am Samstag, 23. März.

Lachnit las das Buch im Alter von zehn Jahren, später saß er vor dem Fernseher und verfolgte, wie Michael Ande als Schiffsjunge Jim Hawkins auf dem Dreimaster Hispaniola auf Schatzsuche geht. "Das war mein größtes Abenteuer-Erlebnis", sagt Lachnit im GA-Interview. "Als Regisseur wollte ich immer die ‚Schatzinsel' machen, 20 Jahre habe ich darauf warten müssen." Jetzt endlich ist es soweit.

JTB-Intendant Moritz Seibert hat diese Neuinszenierung nicht zufällig in den Spielplan aufgenommen. "Das Stück hat eine der großen Stationen unseres Theaters markiert", berichtet Seibert im GA-Gespräch. Denn 1979 wurde mit der "Schatzinsel" das heutige Haus des JTB in der Beueler Hermannstraße eingeweiht. Seinen Ursprung hat die bundesweit bekannte Bühne schon 1969, als in der Aula des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums die erste Vorstellung des von Helmut Tromm und Heidi Scholz-Tromm neu gegründeten "Theater der Jugend" stattfand.

Zurück zu Stevensons Schatzinsel. "Es ist einer der großen Abenteuerromane, die zur Weltliteratur zählen", erklärt Seibert. "Eben auch, weil er nicht klischeehaft zwischen Gut und Böse trennt." Die Idee sei gewesen, "den opulenten Stoff im kleinen Rahmen zu erzählen". Die Bühnenbearbeitung schrieb Andreas Lachnit - für zwei Rollen. "Wenn man die Geschichte voll besetzt, braucht man rund 30 Schauspieler", so Lachnit. "Meine Idee war stattdessen, den gealterten Jim Hawkins auftreten zu lassen, der zurückblickt auf die Ereignisse. Und über seine Erinnerungen kommen wir zum jungen Jim, der die Erzählungen übernimmt."

Möglicherweise hat sich Lachnit dabei ein wenig vom legendären ZDF-Vierteiler inspirieren lassen. Denn abwechselnd zur Darstellung des Jim Hawkins durch den jungen Michael Ande war darin immer wieder die Stimme des alten Jim als Ich-Erzähler aus dem Off zu hören, gesprochen von Hellmut Lange.

Den jungen Jim verkörpert in der JTB-Fassung Pascal Scurk, den gealterten Thomas Krothmann. Beide verkörpern darüber hinaus weitere Figuren wie Long John Silver und Dr. Livesey. Man habe dabei "in die dramaturgische Trickkiste gegriffen", sagt Andreas Lachnit. Für den Regisseur geht mit der Inszenierung sprichwörtlich ein Traum in Erfüllung: "Es ist wie das kleine rote Feuerwehrauto, das man endlich geschenkt bekommt. Da bin ich gern sentimental."

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