Junge Musiktalente präsentieren sich in Bonn

Junge Musiktalente präsentieren sich in Bonn

Der Deutsche Musikwettbewerb ist in vollem Gange. Junge Musiker aus ganz Deutschland sind dabei. Der GA sprach mit dreien von ihnen.

Bonn. Wer kommt weiter, wer nicht? Wie andernorts Aktienhändler auf Börsenkurse starren derzeit junge Musiker in der Beethovenhalle auf die Ergebnislisten der Jury-Sitzungen: Der Deutsche Musikwettbewerb ist in vollem Gange. Junge Musiker aus ganz Deutschland sind dabei. Der GA sprach mit dreien von ihnen.

Alexej Gerassimez möchte ins Freie, die Frühlingsluft lockt: "Können wir nicht draußen reden?" Also setzen wir uns am Forum der Beethovenhalle auf ein Mäuerchen. Der 22-Jährige spielt Schlagzeug, von Kindesbeinen, wie er erzählt: "Ich hab' schon als kleiner Junge Töpfe und Kartons um mich herum aufgebaut und darauf herumgetrommelt." Alexej studiert an der Musikhochschule München.

Am Schlagzeug liebt er die Kombination aus Ausdruck, etwa mit dem Marimbaphon, und dem präzisen Spiel auf Trommeln. Sein Credo: "Man muss, bevor man spielt, eine ganz genaue Klangvorstellung haben." Präzision und Ausdruck vereinen auch seine Hobbys: Squash für die Fitness, Salsa-Tanzen für die Seele. Er sei "eigentlich kein Wettbewerbstyp", aber der Deutsche Musikwettbewerb reizt ihn, "weil man kein Geld, sondern Konzertauftritte gewinnt".

In der Tat versteht sich der Wettbewerb, der vom Deutschen Musikrat jährlich im Wechsel in Bonn und Berlin durchgeführt wird, nicht als glamouröser Casting-Event, sondern als Förderprojekt. Spitzenmusiker hat er in seiner nunmehr 35-jährigen Geschichte gleichwohl zur Genüge hervorgebracht. Es seien nur Namen wie Ruth Ziesak oder Alban Gerhardt genannt.

"Ich liebe die Tiefe", sagt Christina Maria Schauer, eine zierliche junge Dame aus Passau, Kontrabässe etwa oder Sänger mit Komtur-Qualitäten. Ihren ganz eigenen Tiefenrausch erlebt sie mit der Tuba, die sie seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr spielt. Musikalisch war sie auf Klavier und Violine schon weit fortgeschritten, als das heimische Blasorchester Nachwuchs an der Tuba suchte.

Dass die Symbiose aus schwerem Blech und federleichter Spielerin immer noch verwundert beäugt wird, nimmt sie gelassen: "Tuba spielen ist cool." Die Tuba liefert das Fundament, kann aber auch schwebende Klänge oder filigrane Passagen produzieren und taugt sogar als E-Bass-Ersatz in Christinas Funk-Band mit dem schönen Namen "Tubacoolosis". Seit dreieinhalb Jahren studiert die 27-Jährige das Hauptfach Tuba an der Anton-Bruckner-Universität in Linz. Ihr zweites Fach: Gesang. Hier allerdings muss sie Abschied von der Tiefe nehmen: Christina singt Sopran.

Schon mehr erreicht, "als ich mir vorgestellt habe", hat Anna Bineta Diouf, die in der Kategorie Gesang antritt. Nur noch drei Sängerinnen sind im Wettbewerb dabei, sie ist eine davon. Die Schülerin von Sabine Ritterbusch, derzeit noch in Detmold, bald in Hannover, bleibt trotzdem gelassen. Ihr sind vor allem Tipps der Fachleute wichtig.

Bühne oder Konzert? Für Anna eine noch offene Frage. Die Oper lockt schon sehr, gibt sie zu. 2008 gab sie die Flosshilde am Landestheater Detmold, eine "tolle Erfahrung." Ein Faible hat sie für die Alt-Stars des Wagner-Gesangs wie Kirsten Flagstadt oder Astrid Varnay: "Was da an Rubato drin ist." Unterdessen ist klar: Alexej Gerassimez ist im Finale, Anna und Christina bleiben wertvolle Erfahrungen.

Abschlusskonzert Kammermusik am Freitag, 26. März, 18 Uhr, im Studio der Beethovenhalle, Abschlusskonzert der Solopreisträger (zusammen mit dem Beethoven Orchester) am Samstag, 27. März, 20 Uhr im Großen Saal der Beethovenhalle. Infos unter: www.musikrat.de.

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