"Der Traum ein Leben": Jürgen R. Weber inszeniert Walter Braunfels' Oper in Bonn

"Der Traum ein Leben" : Jürgen R. Weber inszeniert Walter Braunfels' Oper in Bonn

Eine klassische Theaterkarriere hat der Regisseur Jürgen R. Weber, dessen Inszenierung von Walter Braunfels' Oper "Der Traum ein Leben" am Sonntag ihre Bonner Premiere feiert, eigentlich nicht hinter sich.

In jungen Jahren hat er zwar bei der Berliner Regiekoryphäe Götz Friedrich sein Handwerk erlernt, doch dann zog es ihn zum Fernsehen. In Webers Werkliste finden sich so populäre Titel wie der Kinder-Weihnachtsmehrteiler "Beutolomäus", die Arztserie "Dr. Stefan Frank", die Telenovela "Verliebt in Berlin" oder auch einige Folgen des RTL-Langzeitprojekts "Gute Zeiten, schlechte Zeiten".

Aber irgendwie scheint sich der hochgewachsene Regisseur, dessen dunkles, etwas wirr den Kopf umspielendes Haar und der ergraute Vollbart ihm eine gewisse Wildheit verleihen, sich nicht unwohl zu fühlen, wenn er nun wieder großer Oper statt Soapopera macht. An Braunfels' lange von den großen Häusern ignoriertem Werk, das in Bonn nach einer Inszenierung vor 13 Jahren in Regensburg nun überhaupt erst zum zweiten Mal auf einer Bühne zu sehen sein wird, schätzt er den durchaus komödiantischen Stil. "Aber das hat immer auch etwas von Abgesang", sagt er. "Die Szenen verraten eine Art Filmtiming", findet Weber, der zurzeit parallel an seinem Filmprojekt "Open Wound - the ÜBER-movie" arbeitet.

Weber hat zuletzt öfter Werke fürs Musiktheater inszeniert, die nicht zum Kernrepertoire des Betriebs zählen. Für Chemnitz verhalf er 2008 der Pfitzner-Ausgrabung "Die Rose vom Liebesgarten" erfolgreich zu neuem Bühnenleben, Albert Dietrichs romantische Oper "Robin Hood" reanimierte er für Erfurt. Das heißt nicht, dass er sich vor Klassikern drückt: Seine Operetten-Regie machte aus Franz Lehárs "Die Lustige Witwe" 2011 zu einem Quotenhit für das Haus in Würzburg. Das Schöne an unbekannten Werken aber ist: "Man muss nicht gegen Klischees ankämpfen." Das kommt ihm schon deshalb sehr entgegen, weil er sich als Geschichtenerzähler empfindet. Theaterstücken ein frei ersonnenes Regiekonzept überzustülpen, sei seine Sache nicht, wie er sagt.

Die mit märchenhaften Zügen ausgestattete Oper "Der Traum ein Leben", die der Gründungsdirektor der Kölner Musikhochschule Braunfels nach seiner Absetzung durch die Nazis im Bad Godesberger Exil schrieb, erzählt nach der Vorlage Franz Grillparzers von dem jungen Rustan, der in einem langen Traum sich selbst als rücksichtslosen, machtgierigen Despoten erlebt. Weber will Traum und Wirklichkeit in seiner Inszenierung deutlich voneinander abgrenzen. Und greift dazu auf multimediale Mittel wie Videoeinspielungen und -projektionen zurück. Theater bedeutet auch, zu zeigen, "was Theater kann", findet er. Es ist ein bisschen, als habe er sich die Mahnung des von Goethes Theaterdirektor aus dem Faust zu Herzen genommen: "Drum schonet mir an diesem Tag Prospekte nicht und nicht Maschinen."

Über Webers Probenarbeit kann man sich übrigens in einem Blog informieren (https://juergenrweber.wordpress.com). Da gibt's auch ein Interview mit Braunfels' Sohn, dem heute 96-jährigen Komponisten Michael Braunfels. "Er wird auch zur Premiere kommen", sagt Weber. Und der sehr prominente Enkel Stefan Braunfels ebenfalls. Der Architekt der Münchner Pinakothek der Moderne setzt sich mit großer Leidenschaft für die Rehabilitierung des Komponisten Braunfels ein.

Info: Premiere: Sonntag, 18 Uhr, mit Endrik Wottrich, Mark Morouse, Manuela Uhl, u.a., Dirigent: Will Humburg. Karten in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.

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