Joss Stone verzückt 1 500 Fans auf dem Museumsplatz

Joss Stone verzückt 1 500 Fans auf dem Museumsplatz

Am Ende des grandiosen Konzerts gab es für die Herren weiße Rosen

Bonn. Gerade mal 22 Jahre jung ist sie und hat bereits jede Menge Gipfel erklommen. Die "kleineren" vorweg: Das sind Auftritte als Werbe-Model, aber auch Rollen in Fernseh- und Kinoverfilmungen und die Soundtracks zu mehreren Filmen (darunter "Sex And The City").

Eigentliche Berufung ist für Joss Stone die Musik. Als Soul-Sängerin und Songwriterin ist sie bereits seit ihrem 14. Lebensjahr, damals noch unter ihrem eigentlichen Namen Joscelyn Eve Stoker, auf Erfolgskurs.

Mit 16 legte sie sich ihren Künstlernamen zu, erhielt den ersten Plattenvertrag und überzeugte Produzenten wie Publikum gleichermaßen von ihrem außergewöhnlichen Soul-Feeling.

Fotos Jede Menge Bilder vom KonzertVier Grammy-Nominierungen hat sie inzwischen erhalten, über 7,5 Millionen ihrer drei Alben verkauft und beweist gerade bei ihren Live-Auftritten immer wieder, dass sie ein absoluter Profi ist.

Ziemlich cool und lässig trat sie mit Legenden wie James Brown, Elton John, Donna Summer oder Smokey Robinson ins Rampenlicht. Dabei ist ihre Performance so selbstverständlich, dass niemand daran zweifelt, dass sie jemals irgendwo anders gelebt hat als auf der Bühne.

Schließt man die Augen, hört man eine reife, erdig-satte Soulstimme, die aus dem Vollen schöpft. Da ist viel Kraft im Ausdruck, unglaublich viel Gefühl im Spiel und die Fähigkeit vorhanden, sich auf die Texte über Liebe, Trennung oder Enttäuschung einzulassen. Das alles ohne große Show, denn auch optisch wirkt Joss Stone natürlich.

Bei ihrem umjubelten Auftritt auf dem Museumsplatz stand sie mit ihrer zehn Musiker starken Band vor rund 1 500 Fans. Natürlich trat sie - wie immer - barfuß auf und gab sich mit ihrem langen, schulter- und rückenfreien Kleid und dem Peace-Zeichen an der Halskette ganz als "Natural Woman".

Der gleichnamige Song von Aretha Franklin, mit dem sie bereits als Teenager große Aufmerksamkeit erlangte, scheint für sie längst zum Motto geworden. Von ihren drei Alben, die sie seit 2003 produziert hat, gab's in Bonn eine bunte Mischung.

Die hätte stilistisch wohl kaum vielseitiger sein können. Da standen Funk und HipHop mit Songs wie "Super Duper" und "Girls" gleich am Anfang, doch auch Anleihen bei Rap und Reggae mischt Stone im Folgenden geschickt mit ihrem außergewöhnlichen Soul, der sich wie ein roter Faden durch das ganze Programm zieht.

Die zehnköpfige Band mit ihren drei hervorragenden Sängern (Artia Lockett, Ellison Kendrick und Antonia Jenae) zeigte sich dabei als verlässliche, motivierte Truppe, die auch Soloeinsätze nicht scheute. Für charakteristische Sound-Einlagen sorgten Jeff Watkins (Saxophon) und Hollie Farris (Trompete), satten Groove steuerte Drummer Rick Jordan bei.

Den Herren im Publikum widmete Joss Stone beim Bonner Konzert ihren Song "Fell In Love". Wenn nicht bereits an dieser Stelle, dann schmolz so mancher von ihnen sicherlich im Zugabenblock dahin, als sie ihm von der Bühne aus zu Bob Marleys "No Woman No Cry" eine weiße, langstielige Rose zuwarf.

Das rundete das anderthalbstündige Live-Erlebnis gelungen ab. Einziger Wermutstropfen: Gil Scott Heron, der vor Joss Stone spielen sollte, glänzte durch Abwesenheit. Der 60-Jährige hatte keine Ausreiseerlaubnis aus den USA erhalten. Dafür durften die Bonner Boogie Wonderstars länger spielen.