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Kölner Philharmonie: Joseph Jongen hielt an der Tonalität fest

Kölner Philharmonie : Joseph Jongen hielt an der Tonalität fest

Während das Publikum bei heißen Außentemperaturen der CSD-Parade harrte, bot Markus Stenz in der angenehm temperierten Philharmonie mit dem Gürzenich-Orchester (plus Domchören) gewissermaßen ein Antiprogramm. Es besaß eine nachgerade sakrale Aura, was durch den umfassenden Einsatz der Orgel verstärkt wurde.

Das Gürzenich-Programm durchzog nicht eigentlich ein roter Faden, aber die euphorische Intensität aller Werk (mal im Forte, mal im Piano) schuf doch eine gemeinsame Basis, sogar eine formale Klammer. Die Abfolge Symphonie concertante von Joseph Jongen, Schlussszene aus Detlev Glanerts "Solaris"-Oper und Te Deum von Anton Bruckner könnte man durchaus als ein vokalsinfonisches Mammutwerk begreifen, bei welchem volltönende Rahmensätze ein meditatives Zentrum einfassen.

Der Belgier Jongen ist ein unzeitgemäßer Komponist. Er hielt - auch in seiner 1926/27 geschriebenen Symphonie concertante - an der Tonalität unumstößlich fest. Sein Werk klingt deswegen aber keineswegs gestrig, es findet immer wieder zu unorthodoxen harmonischen Wendungen, individuellen Klangwirkungen.

Dass das Werk für die Orgel des Wanamaker Departement Store in Philadelphia konzipiert wurde (wo es aber nicht zur Uraufführung kam), hat die Musiksprachlichkeit fraglos beeinflusst. Aber ihr postromantischer Stil lässt darüber hinaus einen individuell künstlerischen Glaubensausdruck erkennen.

Der lettischen Organistin Iveta Apkalna, welche Musik als "eigene Religion" versteht, kommt Jongens Werk sicherlich entgegen. Mit dem Rücken zum Publikum sitzend, vermochte sie ihre manuelle Virtuosität und profunde Musikalität den Zuhörern nicht nur akustisch, sondern auch visuell zu vermitteln. Markus Stenz lieferte den farbenreichen Orchestersound mit den heißblütig aufspielenden Musikern applombhaft hinzu.

Mit Detlev Glanert verbindet den Dirigenten eine lange künstlerische Freundschaft. Wie dessen Lehrer Hans Werner Henze (ebenfalls ein Stenz-Favorit) hält Glanert an sanglichem Ausdruck fest. Wie weit von dem "Solaris"-Finale auf das gesamte Werk zurückzuschließen ist, könnten vielleicht Besucher der von Stenz geleiteten Bregenzer Uraufführung im letzten Jahr sagen. Ohne Hintergrundwissen erlebt man ganz einfach eine suggestive, klangmagische Szene.

Der eindrucksvolle Bassist Christof Fischesser gehörte (wie auch das großartig disponierte Chorensemble) auch zu den Mitwirkenden von Anton Bruckners Te Deum. Hier trugen weiterhin Juliane Banse, Franziska Gottwald und Allan Clayton nachhaltig zu der kraftvollen Interpretation von Stenz und seinen Musikern bei.

Info: Das Programm wird heute und morgen in der Kölner Philharmonie jeweils um 20 Uhr wiederholt. Karten in den Bonnticketshops der GA-Zweigstellen.