Neue Ausstellung im Max Ernst Museum: Joana Vasconcelos' zerbrechliche Hunde

Neue Ausstellung im Max Ernst Museum : Joana Vasconcelos' zerbrechliche Hunde

Brühl zeigt eine faszinierende Schau der portugiesischen Künstlerin.

Der Mann mit den Schraubenschlüsseln sitzt im Inneren einer etwa drei Meter hohen, bauchigen, transparenten Teekanne, die zur Ausstellung „Maximal, Joana Vasconcelos“ noch auf dem Rasen vor dem Max Ernst Museum installiert wird. Ein Türchen im dicken Bauch der Kanne ist offen. Tür zu, dann sitzt der Mann aber im Käfig und ruft den Fotografen zu: „Bitte nicht füttern“.

Kleiner Scherz, hier als spontanes Readymade mitgeliefert. Im Inneren ist dann mit ganz großen und mittelgroßen Exponaten mehr von dieser Art zu entdecken. Die Täterin ist die 1971 geborene Portugiesin Joana Vasconceles, die ihre erste Ausstellung in Deutschland präsentiert.

Was wird zum Signet dieser Ausstellung werden? Diese dekorative Kanne, die gärtnerisch noch mit Jasmingebüsch umgeben wird (damit man weiß, welcher Tee drin ist). Sobald man aber im Inneren des Museums, geradezu magisch angezogen, vor einer 2,70 Meter hohen, blinkenden High-heel-Sandalette mit dem Titel „carmen miranda“ steht, meint man, ein noch viel besseres Signet gefunden zu haben. Schließlich besteht dieser architektonisch wirkende Schuhabsatz allein aus 13 mittels Beton ineinander gesteckten englischen Stahlkochtöpfen, vom spitzesten kleinsten völlig regelmäßig zur Fersenkappe sich Topf um Topf verbreiternd und in das schuppenartige „Oberleder“ aus Topfdeckeln in die Sandalette übergehend. Die Innensohle bilden die blinkenden Böden der Edelstahltöpfe.

Sinnbild portugiesischen Kitsches

Die Künstlerin, die sich gern auf Max Ernst und den Surrealismus mit seinen „Überraschungen des Unerwarteten“ bezieht, meint dazu: „Aus Alltagsgegenständen entstehen wundersame und merkwürdige Kreaturen, die Wirklichkeit erfährt eine Verwandlung.“ Und solche Verwandlungen nimmt sie an der Spitze einer etwa 50-köpfigen handwerklichen Crew in ihrem Lissaboner Studio durchgängig vor. Mit von der Partie sind die Textilarbeiter, die stricken und häkeln können, ebenso wie Schmiede und Ingenieure. Und manchmal rettet Joana noch ganz nebenbei eine Fayencefabrik wie die von Bordalo, die die weiß-schwarz gefleckten, sitzenden Porzellanhunde, Sinnbild des portugiesischen Kitsches, en gros fabriziert. Und die hängen nun ziemlich stranguliert an einem Lederhalsband, alle hintereinander von einem Kettenkarussell bewegt. Und was passiert? Das laut hörbare Porzellanzertöppern deutet es an. Die Hunde hauen aneinander und werden nun im Laufe der Ausstellung immer mehr zerbrechen. Gerettet ist daneben aber eine ganze Meute mit Stickereien überzogener Hunde. Aus einem ebenso eingesponnenen Fernseher tönt schwermütiger Fadogesang. Eine schöne, aber unbrauchbare Couch aus Rosenblüten aus Plastik ist mit dauerhaft ausströmendem Mottenkugelduft ausgestattet. Und ein glühendes rotes Herz, das Schönste aus Murano, ist tatsächlich aus durchscheinenden Plastikbesteck gemacht.

Doch gar nicht so lustig sind die mit Kabelbinder gewürgten Schaufensterpuppen mit dem Titel „Ehefrauen mit Handfesseln“. Alles in allem eine wunderbare Weiterführung der heiter-pikanten Kunst von Niki de Saint Phalle.

Bis 4.8., Di-So 11 -18 Uhr, Brühl, Comesstr. 42

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