Benefizkonzert für die "Aktion Weihnachtslicht" des General-Anzeigers: Jamina Gerl im Beethoven-Haus

Benefizkonzert für die "Aktion Weihnachtslicht" des General-Anzeigers : Jamina Gerl im Beethoven-Haus

Die Bonner Pianistin beeindruckt im Kammermusiksaal mit einem spannenden und sehr virtuosen Programm.

Unmittelbar nach dem verlorenen Deutsch-Französischen Krieg 1871 besannen sich einige französische Musiker auf nationale Werte und gründeten eilig bereits im Februar des Jahres die Société Nationale de Musique. Einer der beiden Gründer war Camille Saint-Saëns. Dass die Bonner Pianistin Jamina Gerl dessen selten zu hörendes Album für Klavier op. 71 an den Beginn ihres Benefizkonzertes im ausverkauften Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses für die „Aktion Weihnachtslicht“ des General-Anzeigers setzte, hatte einen guten Grund. Dieses Opus war Teil eines ebenso klug komponierten wie spannend realisierten Klavierabends, in dem sie „ein wenig die Entwicklungsgeschichte der französischen Musik“ aufreißen wollte, wie sie in ihrer charmanten Zwischenmoderation sagte.

Das musikalische Gravitationszentrum des Programms bildete dabei Claude Debussy, an dessen hundertsten Todestag in diesem Jahr sie mit ihrem Konzert erinnern wollte. Eine sehr gelungene Hommage, obwohl deutlich mehr Musik von Komponisten zu hören war, die ihn beeinflussten oder die er beeinflusste, als von Debussy selbst.

Das französische Idiom hat Jamina Gerl im Blut, wie schon bei Saint-Saëns zu vernehmen war. Die Nummer zwei des Zyklus, den „Carillon“ („Glockenspiel“) umgab sie mit einer fast geheimnisvollen klanglichen Aura. In der virtuosen Toccata aus demselben Zyklus achtete sie vorbildlich darauf, im Gewirr der Töne den melodischen Bogen zu spannen.

Spieltechnisch anspruchsvollen Debussy souverän gemeistert

Dass sie am Flügel Melodien in schönstem Legatoton gleichsam zu singen versteht, zeigte sie besonders eindrucksvoll in Gabriel Faurés dunkel eingefärbter Nocturne op. 33 Nr. 1 in es-Moll. Die größte stilistische Annäherung an Debussy erfolgte dann mit Maurice Ravels „Jeux d'eau“, den „Wasserspielen“, die sie am Klavier mit federleicht klingendem Anschlag glitzern und funkeln ließ, als würde sich das Licht der Sonne im Wasser brechen.

Aus dem überaus reichen Klavier-Oeuvre von Debussy wählte sie mit „L’Isle Joyeuse“ eines der spieltechnisch anspruchsvollsten aus, die der Komponist je schrieb. Es braucht schon eine überragende Fertigkeit am Klavier, damit man der Musik die physische Anstrengung nicht anmerkt. Bei Jamina Gerl wirkte die Musik wie ein einiger dionysischer Klangrausch.

Dass Debussy der Musik aus dem deutschen Kulturraum kritisch gegenüberstand, daraus hat er nie einen Hehl gemacht. Aber von dem Ungarn deutscher Zunge, Franz Liszt, hat er viel gelernt. Von ihm spielte Jamina Gerl im zweiten Teil des Abends einige Stücke aus den „Années de pélerinage“, die drei Petrarca-Sonette und die Fantasiesonate „Après une lecture de Dante“. Den Debussy noch im Ohr, überraschte es nicht, dass sie auch den Herausforderungen der Liszt'schen Klavierkünste gewachsen sein würde. Sie verlieh den Melodien und Stimmungen der Sonette echte Tiefe, und in der Dante-Sonate beeindruckte sie mit virtuosem Feuer ebenso wie mit sicherem gestalterischen Zugriff.

Das Publikum war begeistert. Nach einer Weile rhythmischen Klatschens aus den Reihen des Auditoriums spielte sie noch den schlicht gehaltenen zweiten Satz aus Robert Schumanns Klaviersonate fis-Moll op. 11 als Zugabe. Eine kleine musikalische Kostbarkeit.

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