1. News
  2. Kultur & Medien
  3. Regional

International Telekom Beethoven Competition Bonn beginnt

Welcome Concert : Telekom eröffnet Beethoven Competition in Bonn

Die International Telekom Beethoven Competition Bonn hat begonnen. Mit einem Festkonzert am 16. Dezember geht es dann richtig los.

Mit einem Festkonzert am 16. Dezember in der Bonner Oper beginnt offiziell die zwölfmonatige Feierstrecke zu Ludwig van Beethovens 250. Geburtstag. Die International Telekom Beethoven Competition, die am Donnerstagabend mit dem traditionellen Welcome Concert in der voll besetzten Bonner Telekom Zentrale eröffnet wurde und bis kommenden Samstag dauert, ist da so etwas wie ein Präludium. Bevor sich jedoch der musikalische Protagonist des Konzertabends, Alberto Ferro, an den Flügel setzte, plauderte der wie immer überaus eloquent auftretende Moderator Daniel Finkernagel mit drei Gästen über den Wettbewerb. Auf den weißen Sesseln Platz genommen hatten Jury-Präsident Pavel Gililov, Competition-Organisator und Telekom-Manager Hennes Wittig sowie Bonns Generalmusikdirektor Dirk Kaftan, der das Orchesterfinale dirigieren wird.

Die Betreuung der Teilnehmer durch den Veranstalter war zum Beispiel Thema. Wittig verwies da auf den im Publikum sitzenden Hinrich Alpers, der vor zehn Jahren den Titel gewann und gerade im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses mit Unterstützung der Telekom die neun Sinfonien Beethovens in der Transkription von Franz Liszt für eine CD-Veröffentlichung aufgenommen hat. „Das ist ein Beispiel dafür, wie wir das Wachstum der jungen Pianisten begleiten.“

Ständchen für den Meister

Ein Wiedersehen und Wiederhören mit Alpers und allen weiteren Siegern seit der Geburt des Wettbewerbs 2005 wird es übrigens im kommenden Jahr am 12. Dezember geben. „Sie werden auch zusammen musizieren“, versprach Gililov. „Ich denke, das wird ein wichtiges Ständchen für den Meister Beethoven.“ Nach dem Profil eines Siegers gefragt, antwortete Gililov: „Er muss eine Kombination aus Kopf, Herz und auch guten Händen haben.“ Kaftan artikulierte leise Zweifel daran, dass es für eine Jury überhaupt möglich sei, eine Interpretation wirklich objektiv  zu bewerten: „Musik und Wettbewerb gehen nur bis zu einem bestimmten Punkt zusammen.“ Wobei Kaftan jedoch den Sinn von Wettbewerben nicht grundsätzlich in Zweifel ziehen wollte.

Im Anschluss stellten sich die 23 Teilnehmer erst per Video-Clip und dann als Gruppe auch physisch vor. Kleine Irritation danach: „Wo ist Alberto Ferro?“, fragte Finkernagel. Und als der Italiener sich nicht sehen ließ, improvisierte der Moderator überaus gekonnt eine Überleitung, indem er über Beethovens Lernstrategien berichtete.

Als Ferro dann schließlich doch auftauchte, demonstrierte der Pianist nachdrücklich, dass er den Siegertitel würdig vertritt. Mit wunderbarer Klarheit spielte er Präludium und Fuge in a-Moll BWV 543 für Orgel von Johann Sebastian Bach, die Franz Liszt für Klavier übertragen hatte. Nach der Bach/Liszt-Kür folgte die Beethoven-Pflicht: Ferro spielte die Sonate in Es Dur aus op. 31, deren helle Stimmung er bravourös herausarbeitete. Allein, wie er im Scherzo die Kantabilität der rechten und die rasanten Sechzehntel-Staccati der linken Hand miteinander verband, hatte große Klasse.

Wie klug er das Programm komponiert hatte, zeigte sich am Ende mit Auszügen aus den „Soirées de vienne“, die Franz Liszt nach Schubert-Walzern modellierte: Der Anfang klang wie ein Zitat des ersten Beethoven-Satzes. Ferro spielte auch diesen Programmteil überaus brillant mit Sinn für Klang und Stimmungen. Und als Zugabe dann eine muntere Kleinigkeit aus Gioacchino Rossinis „Alterssünden“, mit denen der Komponist in den seinen letzten Jahren das Salon-Publikum unterhielt.

Der Wettbewerb beginnt

Und dann am Freitag war es wieder soweit: Seit dem Morgen wetteifern in der Zentrale der Telekom junge Pianisten um den Sieg bei der mittlerweile achten International Telekom Beethoven Competition. Insgesamt 23 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 10 Ländern sind in der ersten Runde angetreten. Bis zum 14. Dezember, dem Tag des Orchesterfinales im Telekom Forum, stehen sie unter Dauerstress, müssen sich vor der Jury und dem Publikum beweisen. Am Ende werden drei Sieger auf dem Treppchen stehen sowie diverse Sonderpreise vergeben werden, darunter auch ein Publikumspreis.

Beim Auftakt zur ersten Runde schien das Interesse des Publikums etwas geringer als in den Vorjahren, doch das wird sich erfahrungsgemäß noch ändern, gibt es doch viele Stammgäste im Publikum, die Jury-Präsident Pavel Gililov besonders herzlich begrüßte. Nach der Vorstellung der Jury ging es direkt in medias res: Mit dem chinesischen Pianisten Jishe Mu betrat der erste Teilnehmer das Podium. Mu hat bereits den Partnerwettbewerb der Telekom Beethoven Competition in Chendu gewonnen und lieferte eine solide, wenngleich etwas brave Vorstellung ab. Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge g-Moll spielte er mit stabilem Tempo, allerdings „dieselten“ seine Triller zuweilen recht ordentlich. Auch Ludwig van Beethovens Fantasie op. 77 wirkte solide, wenngleich etwas spannungsarm. Dessen c-Moll Sonate op. 111 spielte Mu souverän, insgesamt allerdings auch etwas glatt und unscheinbar.

Die Rumänin Adela Liculescu war die zweite auf dem Telekom-Podium. Bachs Präludium und Fuge C-Dur kam mit sanglicher Klarheit, die Fuge wirkte sehr durchhörbar. Beethovens Sonate op. 111 gestaltete sie mit Drive, Biss und Tiefgang. Ihr Spiel besaß deutlich mehr Dramatik und Überzeugungskraft als das ihres Vorgängers, trotz eines kleinen Lapsus im Variationssatz. Auch die Polonaise op. 89 und das bekannte Rondo „Die Wut über den verlorenen Groschen“ op. 129 spielte Liculescu leicht, schwungvoll und insgesamt sehr profiliert.

Nummer drei und vier am Freitagvormittag waren die Südkoreanerin Yoonji Kim und der Rumäne Paul Cartianu. Während Kim motorisch präzise ihren Bach spielte und auch Beethovens Bagatellen op. 126 und die E-Dur Sonate op. 109 hochkonzentriert ablieferte, hatte Cartianu seine Schwierigkeiten. Er startete im Prinzip gut, schwankte dann aber immer wieder in der Konstanz seiner Leistungen, bis es ihn im ersten Satz von Beethovens op. 111 ganz aus der Bahn warf.