Gernot Hassknecht im Interview: In zwölf Schritten zum Choleriker

Gernot Hassknecht im Interview : In zwölf Schritten zum Choleriker

Mit seinem aktuellen Programm "Das Hassknecht-Prinzip" gastiert der Kult-Star der "ZDF heute-show" am Mittwoch, 18.September, im Bonner Pantheon Theater. Mit dem Schauspieler Hans-Joachim Heist sprach Ebba Hagenberg-Miliu.

Muss ich als bekennender "heute show"-Fan jetzt einen Gernot-Hassknecht-Wutausbruch fürchten? Muss ich mein Aufnahmegerät leise stellen?
Hans-Joachim Heist: Nein, Sie sind nicht in Gefahr. Sie werden mich ja sicher nicht provozieren (lacht). Außerdem interviewen Sie hier Hans-Joachim Heist. Und der ist ein sehr friedlicher Mensch.

Garantiert ohne Ausraster?
Heist: Ich bin privat kein Choleriker. Ich kann mich etwa über soziale Ungerechtigkeit aufregen, ja. Ich bin auch mal Wutbürger im politischen Sinn. Da kann ich auch mal laut werden. Hassknecht ist übrigens auch in dem Sinne kein echter Choleriker. Denn er regt sich ja nicht über Dinge auf, die es nicht wert wären.

Aber manchmal müssen Sie sich als Hassknecht schon extra motivieren, um von Null auf 100 zu kommen?
Heist: Das gibt es bei manchen Themen schon. Das ist aber kein Problem für mich. Rollen auszufüllen hat man ja auf der Schauspielschule gelernt.

Die Leute auf der Straße unterscheiden meist nicht zwischen Ihnen und Gernot Hassknecht?
Heist: Genau, sehr oft werde ich als Hassknecht angesprochen. Weil viele meinen richtigen Namen auch nicht kennen. Den Leuten antworte ich, und sie dürfen auch gerne ein Foto mit mir machen und bekommen ein Autogramm. Da habe ich überhaupt keine Berührungsängste. Weil ich ja Spaß daran habe, dass den Leuten die Figur gefällt.

Zeigt Hassknecht eigentlich etwas typisch Deutsches? Regt sich der Deutsche gerne auf?
Heist: Es hat natürlich was vom typisch Deutschen. Um es mit Hassknecht zu sagen: Es wird sich im Lande sogar noch viel zu wenig aufgeregt.

Von daher ist Hassknecht einer, der es auf den Punkt bringt, so eine Art Sprachrohr?
Heist: Ja, genau. Hassknecht ist zwar auch ein bisschen unsachlich, bringt es aber trotzdem auf den Punkt. Er spricht vieles eben klar und lautstark aus. Und das würden die Leute oft auch gerne tun. . .

. . . trauen es sich aber nicht wirklich?
Heist: Ja, das erledigt dann eben dieser Hassknecht für sie.

In Ihrem aktuellen Programm geben Sie die entsprechende Anleitung: "In zwölf Schritten zum Choleriker".
Heist: Ja, das erfordert ein richtiges Training (lacht). Hassknecht gibt also gute Tipps, einen richtigen Beschwerdebrief zu schreiben. Er gibt Anleitungen zur perfekten Choleriker-Ernährung. . .

Und die wären?
Heist: Grundsätzlich gereiztes Wesen braucht säurebetontes Essen. Und die Nahrung sollte zu 80 Prozent vorher ein Gesicht gehabt haben.

Also kein Programm für Vegetarier?
Heist: Nein, da bestehen schon medizinische Zusammenhänge. Hassknecht kann mit dem Begriff Ausgewogenheit nichts anfangen. Seit wann brauchen wir im Steakhaus eine Salatbar? Ich brauche beim Sex ja auch kein Kerzenlicht. Hassknecht mag keinen Sport, keine Fitnessstudios. Warum bezahlen wir dafür, um für zwei Stunden hinter einem Bildschirm herzurennen wie der Esel hinter der Möhre, anstatt gratis im Wald zu joggen?

Zurück zum Schauspieler. Sie sind in vielen auch leisen Rollen zu sehen.
Heist: Ja, am Theater besetzt man mich gerne in Komödien. Das liegt mir. Die leise Charakterkomik von Heinz Rühmann ist für mich ein Vorbild. Und die des "Schelms" Heinz Erhardt. Ich trete ja auch mit einem kompletten Erhardt-Programm auf.

Und Sie spielen in Frankfurt bei "Barock am Main" Molière auf Hessisch?
Heist: Ja, sehr gerne. Festspieltheater im Freien hat so eine Leichtigkeit. Die Leute sind ganz anders drauf. Und Hessisch ist ja mein Muttersprach'. Da kommt natürlich der ein bisschen andere Moliere 'rüber.

Letzte Frage: Hans-Joachim Heist privat, ist der eher Hassknecht, Erhardt oder hessischer Molière?
Heist: Eher "der Schelm" Erhardt. Und da ist meine Frau auch froh drüber. Ich habe ja die Möglichkeit, beim Hassknecht im Fernsehen und nun bald auch auf der Bühne alles 'rauszulassen. Da brauche ich das zu Hause nicht mehr (lacht).

Pantheon, Bundeskanzlerplatz, Mittwoch, 18. September, 20 Uhr, Karten zum Preis von 25 Euro plus Gebühr gibt es bei Bonnticket oder in den GA-Zweigstellen.

Zur Person

Der Schauspieler und Regisseur Hans-Joachim Heist wurde 1949 an der Hessischen Bergstraße geboren. Der gelernte Gas- und Wasserinstallateur sattelte während des Ingenieurstudiums auf Schauspieler um. Er spielt bundesweit auf vielen Bühnen, zum Beispiel Patrick Süskinds Einpersonenstück "Der Kontrabass", ab August in Frankfurt wieder Molière auf Hessisch. Daneben wirkte der Vater zweier Kinder in über 70 Film- und Fernsehproduktionen mit. Als "Gernot Hassknecht" im Ensemble der "ZDF heute show" erhielt er den Adolf Grimme Preis, den Deutschen Fernsehpreis und den Deutschen Comedypreis.