GA-Interview: In "Tanz der Vampire" geht es um Emanzipation

GA-Interview : In "Tanz der Vampire" geht es um Emanzipation

Der Autor Michael Kunze spricht über sein Musical „Tanz der Vampire“, das von Mitte Februar bis Ende Juni im Köln Musical Dome zu sehen ist.

Haben Sie ein Faible für düstere, morbide Themen?

Michael Kunze: Ich finde den Tod nicht düster. Ich finde, dass er mindestens ebenso wichtig ist wie die Liebe. Liebe und Tod – beides gehört zum Leben dazu. Das Stück handelt vom Erwachsenwerden, wobei die Vampire, so amoralisch und rücksichtslos wie sie sind, die Erwachsenen repräsentieren. Vampire haben sehr viel mit Sexualität zu tun. Das macht ihren besonderen Reiz aus.“

Im Wettstreit mit dem schüchternen Alfred hat der mondäne Graf eindeutig die besseren Karten.

Kunze: Er ist ein erwachsener Mann. Sehr erfahren, sehr geschickt, sehr verführerisch. Er ist ein „Trickster“, er spielt allen etwas vor. Und so spielt er auch mit den Sehnsüchten des jungen Mädchens. Er sagt ihr: ,Du willst doch gar nicht das langweilige Leben deiner Eltern – du willst doch viel mehr von dieser Welt.“

Schon als junger Student haben Sie Polanskis Film „Tanz der Vampire“ sehr geliebt.

Kunze: Als es dann darum ging, daraus ein Bühnenstück zu machen, war ich, einerseits, aus diesem Grund, sehr froh, hatte aber andererseits große Bedenken. Der Film ist eine Parodie auf Horrorfilme und hat keine einzige Hauptfigur. Es gibt nur verschiedene Rollen, die die Typen dieses Genres persiflieren. Da wusste ich: Ich brauche eine Geschichte! In meiner geht es auch um Emanzipation. Darum, zu erzählen, wie eine Figur wie Sarah ihren Platz im Leben sucht und sich selbst findet. Das ist ähnlich wie in einem Märchen. Und dabei sind die Darsteller ganz eklatant wichtig. Sie geben dem Stück die Kraft, die Energie, den Ausdruck.

Der, je nachdem, durchaus variieren kann. Gerade im Fall des Grafen.

Kunze: Jim Steinmans Lieder kann man rockig singen, mit einer Rock-Tenorstimme, aber auch klassisch. Wir haben beides gehabt. Wenn der Darsteller Charisma hat, dann hat er beides.

Sind Texte, die Sie früher für Schlagerstars geschrieben haben, grundverschieden von den Musical-Libretti?

Kunze: Ich hab' mich immer ein bisschen als Ghostwriter empfunden. Die Leute dachten, dass was der Sänger da singt, das hat er selbst geschrieben. Beim Musical gibt es da gewisse Parallelen: Ich schreibe ja für den Charakter, ich schreibe aus dem Charakter heraus. Ich muss mich in ihn hineinversetzen. Und indem ich, vorher, 20 Jahre lang, gut singbare Texte geschrieben habe, habe ich gelernt, wie ein Lied gebaut sein muss.

Hat das Deutsche gegenüber dem Englischen Vorteile?

Kunze: Es ist eine sehr dramatische Sprache, sie hat viel mehr Konsonanten, sie setzt viel mehr Akzente und ist viel knackiger. Andrew Lloyd Webber fand die deutschen Texte übrigens immer besser als seine englischen Originale. Sicher auch, weil er deutsche Opern mag.

„Tanz der Vampire“, 14. Februar bis 30. Juni 2018, Musical Dome. Karten bei Bonnticket.

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