Glosse : In Helenes Fischernetz

Sie hat eigentlich schon alles: Schönheit, Erfolg, das Herz von Florian Silbereisen und die Wertschätzung der deutschen Männer. Für viele von ihnen verkörpert Helene Fischer die perfekte Frau, wenn man einer Umfrage des "Playboy" aus dem Jahr 2014 trauen durfte.

Was 1000 repräsentativ ausgewählten Männern dabei wichtig war und was sie in der blonden Sängerin entdeckten: Ehrlichkeit (79 Prozent), Humor (77 Prozent) und Treue (76 Prozent). Gesangskunst spielte offenbar keine Rolle.

Demnächst zeigt sich Fischer wieder dem Volk. Die "Farbenspiel"-Stadiontournee 2015 steht ab Juni an. Vorher, am 26. Mai, tritt sie in Düsseldorf im ISS Dome auf. Dazu passt die digitale Offensive der Sängerin: Die "offizielle Helene Fischer Mobile App" mit News, Videos, Hörproben, Terminen und Bildern ist neu (und kostenfrei) auf dem Markt. Das Plattenlabel Universal verspricht "exklusive Inhalte, die speziell auf die Nutzung mit mobilen Endgeräten abgestimmt sind".

Eine per App zu aktivierende Handy-Lightshow ("powered by Deutsche Vermögensberatung") ermöglicht es dem Publikum, Teil der Lichtinszenierung während eines Konzerts zu werden. Akustische Signale eines Songs sollen die Bildschirme der Mobiltelefone steuern. Das Zuhörer-Kollektiv reckt dann seine Mobiltelefone in die Höhe und generiert eine Lichtanimation synchron zur Musik. Damit nicht genug. Zuhause lässt sich später ein "360°x360° Panoramabild" abrufen. Jeder hat dann den Fischer-Blick, denn so sieht die Künstlerin ihre Fans, die Musiker, die Tänzer und das Stadion.

Schöne neue Konzertkultur. Fragt sich nur, ob man wirklich in einer Welt leben will, in der schier kein Entkommen vor Helene Fischer mehr möglich ist. Allgegenwärtig erscheint sie bereits jetzt, nicht zuletzt als Werbeträger ("Gourmeggle"). In "Atemlos durch die Nacht" singt sie: "Alles was ich bin, teil' ich mit Dir / Wir sind unzertrennlich, irgendwie unsterblich / Komm nimm' meine Hand und geh' mit mir." Unzertrennlich? Nein, danke.