Usher in Köln: In der Pose des Eroberers

Usher in Köln : In der Pose des Eroberers

Es gibt sie, die weiblichen Fans, die sich für den blendend aussehenden 36-jährigen Schmuse-R&B-Mann aus Georgia/Atlanta aufbrezeln, als gingen sie in den nächsten stylischen Club. Nicht wenige von ihnen haben Männer an ihrer Seite, deren protzige SUVs kaum ihren Weg durch die Tiefgarage finden.

Aber sie sind in der Minderheit. Neben vielen unauffällig gekleideten Frauen stehen Männer mit weiten HipHop-Klamotten und Baseballmütze. Macht schon dieser Vorabeindruck stutzig, so überrascht das Konzert von Usher durch seinen Facettenreichtum. Auf Videoleinwänden erscheint er in der Pose des stolzen, maskulinen Eroberers - hier kommt ein richtiger Mann in die Lanxess-Arena. Im Scheinwerferlicht erscheint Usher Raymond IV, so sein voller Name, leibhaftig. Der Sound ist so laut, übersteuert, dass man meint, in einem HipHop-Konzert zu sein. Der Mann, dessen Videos manchmal wie Softpornos wirken, tanzt cool, lässig, wissend um die Wirkung seines Körpers.

Frauen gleiten an ihm hoch, zeigen ganz viel Haut und jede Menge Erregung. Der übliche Showbizz. Daneben beweist der Mann aus Altanta die breite Palette seines Könnens. Sein warmes Grooner-Timbre betört, sein James Brown Stop-and-Go-Soul erinnert daran, wie Old-School-Soul heute klingen könnte. Er wechselt ins Falsett, ein Piano-Intro markiert schmachtende Liebe, die lodernd beginnt und ernüchternd enden kann. Er trägt dazu das goldene Mikro sinnbildlich wie ein Kreuz. Die Liebe hat ihm "schwere Zeiten" bereitet. Der Mann ist geschieden, er weiß, wovon er redet. Eine zuckersüße Ballade folgt. Ein guter Moment, um die Stimmung im Publikum anzuheizen. "Put your hands up!"

Dann ist Schluss mit Schmuserei. "Wer will ein böses Mädchen ("Bad Girl") sein?" Für einen Moment steht er reglos da. Der Saal tobt. Das Ende des Songs überlässt er der Posaune für einen aufgerauten Schluss. Die Dramaturgie des Abends gleitet in den Hitteil. Die geschmacklose Goldkette wird abgelegt, mit Fellmütze bestreitet Usher den Rest der Show. Und das nicht schlecht. Niemand der 13.500 Fans bleibt auf den Sitzen. Es tut gut, wenn man seinen Körper spürt.