In der Fremde trösten Kaugummi und Feuerzeug

In der Fremde trösten Kaugummi und Feuerzeug

Slawomir Mrozek mit seinem Stück "Emigranten" im Euro Theater Central in Bonn

Bonn. Slawomir Mrozek ist einer der erfolgreisten zeitgenössischen Dramatiker Polens. Seine Stücke sind satirisch-melancholische Parabeln auf das Leben. In "Emigranten" prallen zwei Männer in einem finsteren Kellerraum aufeinander: zwei Fremde in der Welt, zufällig auf das gleiche, schmuddelige Fleckchen Erde geworfen.

Mit Paketschnüren und einer Menge Pappkarton hat Melinda Lörinez das Bühnenbild im Euro Theater unaufdringlich schlicht gestaltet, Spieler und Zuschauer zusammengedrängt in einem riesigen Paket mit unbekanntem Ziel. Alle sind sie Emigranten, die einen nach innen, die anderen nach außen orientiert. Regisseur Peter Tömöry sucht in diesem Stück nach dem Menschlichen, nach kindlicher Zuneigung und echter Solidarität. Das wirkt zuweilen gekünstelt. Da beschenken sich die beiden Protagonisten am Silvesterabend mit Kaugummi und Feuerzeug. Das sieht zu sehr nach Kugelschreiber-Eingeborenen Romantik aus, zumal gleich hinterher eine Flasche Tequila die Runde macht. Für den Regisseur zählen die Gesten mehr als die Inhalte. Anrührende Augenblicke bilden die Säulen seiner Inszenierung und nehmen dem Konflikt in weiten Teilen seine Brisanz und Dynamik.

Dmitri Alexandrov, der den Intellektuellen spielt, gelingt es, seine Suche nach Freiheit und Kreativität kraftvoll zum Ausdruck zu bringen. In seinen Augen und seiner Körperhaltung spiegeln sich seine ganze Sehnsucht und Traurigkeit wider. Sein Widerpart, gespielt von Daniel Adone, ist ein Gefangener der Regieeinfälle. Seine Vergangenheit und seine Zukunft als Bauer und Arbeiter sind nicht überzeugend, seine Motive für die Emigration unscharf gezeichnet. Das Leiden an den eigenen Wünschen und Zielen, das sich als das wahrste Gefühl in Mrozeks Stück erweist, erscheint verschwommen.

Die nächsten Vorstellungen: 15. und 16. März. Karten unter Telefon 0228 / 65 29 51.

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