Marianne Halter im Raum für Kunst "Das Esszimmer": Illusion trifft Realität

Marianne Halter im Raum für Kunst "Das Esszimmer" : Illusion trifft Realität

Zufällig "aufgeschnappte" Sätze wie "Wir tun einfach, als ob wir nicht da sind" stimulieren Marianne Halter zu ihren Arbeiten, die sie gegenwärtig im Raum für Kunst "Das Esszimmer" ausstellt.

Hier beweist sie jedoch, dass sie sehr wohl präsent ist. Denn da läuft das fesselnde Video "Showtime", zu dem ihr Partner Mario Marchisella die Tonspur geliefert hat. Während die Bilder grell vor den Augen des Betrachters aufleuchten, -flackern, -zucken, steigert die Musik, eine Vertonung der englischen Übersetzung von Rainer Marie Rilkes "Das Karussell", die visuelle Wirkung zweier Welten.

Auf der einen Seite blitzt die Leuchtreklame von Las Vegas mit all ihren Verlockungen, auf der anderen gleiten zahlreiche Fahrzeuge unheimlich lautlos durch das Hochwasser, das ein Wolkenbruch auf den Straßen dieser Scheinwelt hinterlassen hat. Illusion trifft auf Realität. Ganz anders, mit den Mitteln einer Kreidezeichnung, verweist die Züricher Künstlerin auf einen Missstand im doppelten Wortsinn: auf ein so genanntes Nagelhaus in China, das zwar einer Autobahn weichen soll, aber noch seinen desolaten Standort behauptet.

Sie hat das Haus auf die weiße Galeriewand gezeichnet. Der zarte Dunstschleier über den Pastellfarben kann durchaus symbolisch gedeutet werden. Nach der Ausstellung wird das faszinierende Bild in der Serie "Verlorene Monumente" dokumentiert, dann übertüncht. Die Erkenntnis von Vergänglichkeit liegt auch der Koproduktion "Hin und zurück" zugrunde. Eine Holzbox, einem Guckkasten vergleichbar, bietet die (Video-)Bühne für Mario, der eine Kulisse betritt und wieder verlässt.

Raum für Kunst, Das Esszimmer, Mechenstraße 25, bis 11.12.Do, Fr 15-18.30, Sa 13-17 Uhr

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