Kölner Philharmonie: Igor Levit, Halbfinalist der Beethoven Competition 2005, brillierte

Kölner Philharmonie : Igor Levit, Halbfinalist der Beethoven Competition 2005, brillierte

Nachdem Igor Levit 2005 mit 17 Jahren bei der Bonner Beethoven-Competition bis zum Halbfinale vordrang, konnte der junge Künstler als "Rising star" erste große Auftritte absolvieren, auch in der Kölner Philharmonie. Seine Auftritte hier muss beim Publikum Eindruck gemacht haben: Beim jetzigen Solorecital war die Philharmonie stärker gefüllt als letzthin sogar bei Arcadi Volodos.

Bei seiner ersten CD-Aufnahme hat sich Igor Levit nach eigener Aussage mit "natürlicher Unbescheidenheit" an späte Beethoven-Sonaten gewagt, aber teilweise euphorische Kritiken erhalten. In Köln spielte Levit die in Es-Dur opus 109. Dem Pianisten merkte man besondere Konzentration und innere Spannung an. Levit gelang es außerordentlich zwingend, formale Klarheit und expressiven Ausdruck als Einheit wirken zu lassen.

Darauf hatte der Künstler schon zu Beginn mit Georg Muffats Passacaglia g-Moll aus dem "Apparatus musico-organisticus" hingearbeitet. In Köln gab er auch zwei Werke von und nach Liszt. Fantasie und Fuge über den Choral "Ad nos, ad salutarem undam", von Orgel auf Klavier übertragen von Ferruccio Busoni, füllte mit einer Ausdehnung von einer halben Stunde das Nachpausenprogramm zusammen mit dem "Feierlichen Marsch zum heiligen Gral" nach Wagners "Parsifal" voll aus.

Igor Levits Liszt/Busoni-Interpretation überwältigte mit dem im Pianissimo gehaltenen Arpeggienspiel des Adagio-Teils. Über weite Strecken gab es jedoch einen geradezu atemverschlagenden Klangrausch zu hören, der aber nirgends zum Dröhnen neigte. Als besänftigendes Encore gab es das dezente Allegretto D 915 von Schubert zu hören. Eine besondere Beziehung Igor Levits besteht zu Frederic Rzewski. "Which side are you on" von 1978/79 ist ein von politischen Gedanken grundiertes Stück voller Stilkontraste, nicht ohne Reiz, aber nicht leicht zugänglich. Man bewunderte vor allem Levits pianistische Souveränität.