Interview mit Barbara Teuber: „Ich war nie bühnenfern“

Interview mit Barbara Teuber : „Ich war nie bühnenfern“

Barbara Teuber feiert in diesem Jahr ihr 50. Bühnenjubiläum. Die Schauspielerin ist in Bonn eine alte Bekannte. Nun spielt die 76-Jährige in Anton Tschechows „Drei Schwestern“ die Kinderfrau Anfissa.

Sie waren von 1998 bis 2004 festes Ensemblemitglied im Theater Bonn. Was führt Sie seitdem immer wieder als Gastspielerin an ihre alte Wirkungsstätte zurück?
Barbara Teuber: Ich habe in Bonn ja schon Gastrollen gespielt, bevor ich hier fest im Ensemble war. Danach ging es nach Düsseldorf, Wiesbaden und in meine Geburtsstadt Dresden. Ich war also nach 2004 nie bühnenfern und habe das große Glück, dass sich die Leute in Bonn an mich erinnern. Man kann schon sagen, dass Bonn für mich eine zweite Heimat geworden ist.

Ob Tanz, Musical, Oper oder Schauspiel. Sie waren schon in den letzten 50 Jahren auf fast allen Bühnen präsent. Auf welchem Parkett und in welcher Rolle fühlen Sie sich denn am wohlsten?
Teuber: Um ehrlich zu sein, vermisse ich schon die klassischen Hauptrollen als Schauspielerin. Diese kommen in meinem Alter mittlerweile etwas zu kurz. Aber ich habe sie ja alle gespielt, ob Medea, Mutter Courage oder Kassandra. Das gibt’s jetzt halt nicht mehr. Dafür bin ich voller Neugierde auf kleine, moderne Rollen.

Seit einigen Jahren wirken Sie auch als Sprecherin, etwa in der literarisch-musikalischen Reihe „Wortmusik“. Was macht für Sie den Reiz des Vorlesens und Rezitierens aus?
Teuber: Da entsteht ein großes Spannungsverhältnis. Es ist toll, mit dem Pianisten James Maddox aufzutreten. Wenn ich mit meinen Text am Ende bin, macht die Musik weiter. Die Klänge machen meine Worte noch deutlicher. Das trägt mich, und ich merke, wie mein Herzblut in diesen Lesungen steckt. Die Beschäftigung mit Literatur lässt einen nie los.

Ab und zu tragen Sie ja gerne auch satirische Texte vor. Was sagen Sie denn zur Staatsaffäre Böhmermann?
Teuber: Das beunruhigt mich zutiefst. Es kann doch nicht sein, dass dem nun der Prozess droht. Da fühle ich mich fast an die DDR erinnert, da haben sie auch einfach hin und wieder ein Stück gestrichen, wenn denen etwas nicht gepasst hat. Vielleicht mag es Grenzen der Satire geben, und über den Geschmack lässt sich zweifellos immer streiten. Aber jemanden mundtot zu machen und das so hochzuhängen, empört mich sehr.

Jedes Jahr widmet sich mindestens ein Regisseur an einem deutschsprachigen Theater Tschechows „Drei Schwestern“. Was ist die Faszination am 115 Jahre alten Stück?
Teuber: Was Tschechow in seinen „Drei Schwestern“ beschreibt, passt sehr gut in unsere heutige Gesellschaft: dass die Sehnsucht im Menschen, etwas zu erreichen, ganz oft mit Utopie verbunden ist. Da ist der Drang nach einem erfüllten Leben, einem Platz in der Gesellschaft. Und wenn der unerfüllt bleibt, weil man nicht aus seiner Lethargie aufwacht oder abgelenkt ist, kommt man am Ende nicht zum Ziel. Der Traum von Moskau, den die Schwestern haben, ist ein trauriger Traum. Was soll es dort geben, warum soll es da besser sein als in der Provinz?

Sie spielen die Kinderfrau Anfissa. Wie wichtig ist diese Person für die drei jungen, verlassenen Schwestern aus der russischen Provinz?
Teuber: Das ist eine fast textlose Rolle. Anfissa ist sozusagen ein vergessenes Möbelstück. Man bräuchte sie nicht unbedingt für die Erzählung, und in vielen Inszenierungen wird sie auch einfach weggelassen. Aber in Wirklichkeit ist sie ein konstanter Punkt und deshalb wichtig in der Konstellation unseres Stückes. Ich habe die Rolle in den Proben nach und nach erst entdeckt und entwickelt. Das war eine reizvolle Aufgabe, die mir Regisseur Martin Nimz da gestellt hat.

Anfissa ist 80 Jahre, Sie selbst etwas jünger. Ihre Kolleginnen, die im Stück die Schwestern verkörpern, sind um die 30 Jahre alt. Was können die von Ihnen lernen und was nehmen Sie nach der Probenzeit von der jungen Schauspielergarde mit?
Teuber: Ich kenne das Ensemble ja vor allem als Zuschauerin. Umso gespannter war ich. Es ist großartig, mit diesen jungen, dynamischen Kollegen zu arbeiten. Sie haben den Mut und die Seelenqualen, die auch ich als junge Schauspielerin hatte. Die große Herausforderung, aus den Ansprüchen an die Inszenierung und eigenem Empfinden ein spielbares Stück umzusetzen. Die haben natürlich alle Respekt und Achtung vor mir und bewundern meine Kraft und Präsenz trotz des hohen Alters. Aber die wissen schon selber, mit welchen Mitteln sie arbeiten. Ich bewundere hingegen immer wieder, wie schnell die in der digitalen Welt unterwegs sind. Da ärgere ich mich manchmal, dass ich nicht mehr so richtig mitkomme, aber so ist das eben.

Sie feiern im August ihr 50. Bühnenjubiläum. Wie nervös sind Sie noch vor eine Premiere?
Teuber: Ich habe jedes Mal Lampenfieber. Das wird sich auch nie ändern. Die Anspannung ist aber total wichtig, weil sie einen auf den Punkt genau herausfordert. Wenn die erste Szene, in der ich auftrete, vorbei ist, fühle ich mich richtig befreit. Dann ist der Druck von mir abgefallen.

Die Premiere ist am 15. April um 19.30 Uhr in den Kammerspielen in Bad Godesberg.