Hübsch servierte Kaltgetränke

Kabarett mal zwei: Anka Zink und Christoph Sieber üben sich in in der Bonner Springmaus in Frustabbau

Bonn. Wie war das noch gleich mit den Gegensätzen? Gerüchteweise sollen sie sich ja anziehen. Und auch auf der Bühne passen sie recht gut zusammen, beziehungsweise hintereinander.

Sie: Ur-Bonnerin in lilafarbener Lederoptik, derzeit mit ihrem siebten Programm "Zink wirkt zuverlässig" auf Tour. Er: Neu-Kölner aus Süddeutschland in Jeans und Hemd, nach eigener Beschreibung ein "Kabarettist der nächsten Generation". Die Reihe Sommersprossen holte im Haus der Springmaus Spaßmacher im Doppelpack auf die Bühne.

Der Kleinkunstpreisträger mit der markanten Brille, Christoph Sieber, ließ Kollegin Anka Zink am ersten von zwei Abenden den Vortritt. Und die stellte in gewohnt schnoddriger Manier klar, warum außer dem Warten auf einen schönen jungen Mann, der wie in der Werbung die Cola light zu den Frauen ins Büro bringt, kaum noch etwas einen Sinn ergibt.

Der Grund: Deutschland ist im 21. Jahrhundert angekommen und nichts klappt mehr. Nach "lebenslustig-rheinischer Kindheit" mit der vermutlichen Wahl zwischen warmem und kaltem Kakao schildert Zink, wie der Kaffeekauf in einer Filiale amerikanischer "Systemgastronomie" angesichts von Honig-, Karamell- und Pfefferminzgeschmack zum Höllentrip wird.

Im Brötchenladen mit dem dazugehörigen Kundenkarten-Terror ist es auch nicht besser. Das blitzsaubere Girl hinter der Theke fragt: "Sesam,- Oliven- oder Italian-Style-Brot?" Verrückte Welt - für Anka Zink gerät sie langsam aber sicher aus den Fugen. Aber weil die Frau trotz allem weiß, was sich gehört, tickt sie im Fall eines neuen Aggressionschubes nicht aus, sondern greift zwecks Frustabbau zu einer List: "Immer, wenn ich schlecht drauf bin, gehe ich zu Saturn und lasse mir ein technisches Gerät erklären. Am liebsten Mobiltelefone."

Die tiefen Sorgenfalten auf dem Gesicht des Verkäufers, der Antworten auf allerhand unqualifizierte Fragen geben muss, erfreuten sie selbst sowie das Publikum, das nun endgültig warmgelaufen ist für Teil zwei des Abends.

Christoph Sieber klärt die wichtigste Frage direkt vorneweg, noch während er durch den Saal spaziert: "Wie lange sollen wir machen?". "Stündchen", kommt es aus dem Publikum. Und der Künstler hält sich strikt daran.

Doch bevor es kurz nach zehn ist, macht er beides: politisches Kabarett - inklusive der obligatorischen Seitenhiebe auf Kanzlerin Angela Merkel und Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen sowie eines Schlenkers zu seinem erklärten Lieblingsthema "Rente" - und eine schräge Bühnenshow. Der ausgebildete Schauspieler jongliert, gibt Pantomime-Kostproben, imitiert und parodiert.

Dann nimmt er einen Faden von Anka Zink wieder auf: den des Cola-light-Mannes. "Auch ich habe die Nummer mit den Kaltgetränken in einem Büro voller Frauen probiert - ohne Erfolg." Den hatte er jedoch bei seinen Zuschauern, denen sichtlich gefiel, was sie von dem Absolventen der Folkwang Hochschule Essen sahen.

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