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Im Beethoven-Haus: Holger Noltze eröffnet die Reihe "Kulturpolitischer Salon"

Im Beethoven-Haus : Holger Noltze eröffnet die Reihe "Kulturpolitischer Salon"

Vor politischen Wahlen taucht in Debatten mit schöner Regelmäßigkeit das Wort von der "Richtungsentscheidung" auf. Einer ganz ähnlichen Rhetorik bediente sich jetzt Malte Boecker, der neue Direktor des Beethoven-Hauses.

Zur Eröffnung des ersten, gut besuchten "Kulturpolitischen Salons" im Kammermusiksaal ließ er es an dramatischen Worten nicht fehlen. Zur Debatte stand: die Situation der Musik (in erster Linie die sogenannte "klassische") in der Musik- und Beethovenstadt Bonn und in Deutschland.

Die Bundesstadt sah er an einem "Scheideweg" angelangt. Der Konsens über die "Existenzberechtigung von klassischer Musik" sei hier "gekippt". Anzeichen dafür seien etwa die Forderung der Sporttreibenden, in gleicher Weise ein Stück vom Subventionskuchen zu erhalten wie Theater, Oper und Orchester, die vom Oberbürgermeister forcierte Debatte um eine Opernfusion zwischen Bonn und Köln, oder die Forderung der Piratenpartei, die Oper ganz abzuschaffen.

Gleichzeitig schließe sich das Zeitfenster für die Realisierung eines Festspielhauses in "dramatischem" Tempo. Kurz: die Klassik befinde sich unter Rechtfertigungsdruck. Gefragt sind also Ideen, um wieder argumentative Oberhand zu gewinnen. Dafür hatte Boecker Holger Noltze, Professor für Musikjournalistik in Dortmund, als Gesprächspartner eingeladen. Noltze las aus seinem jüngsten Buch mit dem Titel "Kulturlandschaft Deutschland - eine Verteidigung".

Diese "Verteidigung", so Noltze, bedeute keineswegs ein Beharren auf dem Status quo, sondern produktive Veränderungen. Dafür bot Noltze allerdings keine konkreten Vorschläge, sondern lediglich hinlänglich bekannte Überlegungen an. So etwa, dass Arroganz und missionarischer Eifer der Sache Musik mehr schaden als nützen.

Oder, dass Musikvermittler eine "Haltung" besitzen sollten, die den "essentiellen Wert" der Klassik überzeugend vermittle. Oder, dass Spitzen- und Breitenförderung zusammengehören. Oder die Warnung vor der "Hochkultur-Nische". Denn dann frage sich der Steuerzahler zu Recht, warum er das finanzieren soll. Oder, ein bisschen widersprüchlich, die Warnung vor Popularisierung, die das Werk an die Quote verrate.

Und dass es an musikalischer Bildung fehle, man mehr Musiklehrer brauche, die Jugend dem Feuerwerk schneller Reize erliege, hat man auch schon gehört. An eigener "Haltung" scheint es Noltze auch ein wenig zu fehlen, schließlich wollte er die Rede von der "klassischen Musik" und ihren Vorzügen nur stellvertretend für alle Musiksparten gelten lassen.

Einziger Unterschied: Klassik zu realisieren sei aufwendiger. Und als es um Förderung ging, wählte er den harmonischen Mittelweg: "Kultur und Sport gehören zusammen." Kein Wunder, denn Noltze sieht die öffentlichen Kassen gut gefüllt: "Die Steuereinnahmen sprudeln. Hallenbäder, Sportplätze, Theater, Oper - es ist alles zu bezahlen." Dann könnte Bonn sich das Festspielhaus eigentlich kurzerhand selbst bauen.