Internationale Stummfilmtage in Bonn: Hochzeitsmarsch und Totentanz

Internationale Stummfilmtage in Bonn : Hochzeitsmarsch und Totentanz

Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Erich von Stroheims "The Wedding March" die diesjährigen Internationalen Stummfilmtage des Fördervereins Filmkultur Bonn eröffnet. Für Cineasten gibt es viele weitere Höhepunkte.

Hochzeiten und Trennungen bilden bei dem Sommerkino, das vom 16. bis zum 26. August im Innenhof der Bonner Universität läuft und längst ein fester und nicht wegzudenkender Bestandteil der Bonner Kulturlandschaft geworden ist, aber einen thematischen Schwerpunkt. Stars wie Marlene Dietrich ("Gefahren der Brautzeit") und Buster Keaton ("Seven Chances - der Mann mit den 1000 Bräuten") sollen die Zuschauer in Scharen in den Arkadenhof locken; im vergangenen Jahr haben 24.000 Menschen das kostenlose Angebot angenommen und damit für einen Rekord gesorgt.

Wie üblich werden verschiedene Musiker und Filmerzähler, unter ihnen Hanns Zischler, Joachim Bärenz und Neil Brand, die Filme live vertonen - für die beste Begleitung hat das Beethovenfest einen Preis in Höhe von 2000 Euro gestiftet, der am 26. August verliehen wird.

Neben berühmten Meisterwerken der Filmgeschichte wie "Le Voyage Dans La Lune" von Georges Méliès, dem Martin Scorcese zuletzt mit "Hugo Cabret" ein Denkmal setzte, stehen auch unbekanntere Titel auf dem Programm. So ist es dem Förderverein Filmkultur Bonn nach sechs Jahren endlich gelungen, eine restaurierte Fassung von Mario Camerinis "Rotaie" zu erhalten, die am 18. August in Bonn erstmalig gezeigt werden kann - für Cineasten einer der Höhepunkte.

Ein weiterer ist "Der Totentanz" mit der großen dänischen Schauspielerin Asta Nielsen, dem ersten weiblichen Filmstar überhaupt. Der 35-Minüter von 1912 war der erste im Studio Babelsberg gedrehte Film - aus diesem Grund hält Stefan Drößler vor der Vorführung einen Vortrag über "Asta Nielsen und die Anfänge der Filmstadt Babelsberg". Dies findet ausnahmsweise im LVR-Landesmuseum Bonn statt.

Und dann ist da noch der furiose Abschluss der Stummfilmtage: Sergej Eisensteins epochaler "Oktober". Der Film über die Oktoberrevolution von 1917 ist der einzige, der nicht live von Musikern begleitet wird, dürfte aber dennoch ein Augen- und Ohrenschmaus sein: Für die rekonstruierte Fassung hat das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin die Originalpartitur von Edmund Meisel neu aufgenommen und so ein bombastisches Klangerlebnis neu zum Leben erweckt.

Wie auch im vergangenen Jahr ergänzt ein zweitägiges Symposium, das der Förderverein zusammen mit dem Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft ausrichtet, das mediale Angebot. Unter dem Titel "Kafka geht ins Kino" folgen Wissenschaftler am 20. und 21. August den Spuren des großen Schriftstellers und untersuchen, welche Kinoerlebnisse dieser gehabt haben dürfte.