Rossinis "Petite Messe" in der Lutherkirche: Hier stimmte alles

Rossinis "Petite Messe" in der Lutherkirche : Hier stimmte alles

Klein ist diese Messe gewiss nicht, sondern sprengt mit rund 90 Minuten den üblichen liturgischen Rahmen. Feierlich ist Gioachino Rossinis 1864 uraufgeführte "Petite Messe Solenelle", das bedeutendste Werk seines späten Schaffens, aber fraglos.

Sie steht in der Tradition der "Missa solemnis"; der Komponist nannte sie mit paradoxer Bescheidenheit "petite".

Der brillante Musikdramatiker, dessen 150. Todestag im November 2018 gefeiert wird, schuf lange nach seiner letzten Oper ein großartiges geistliches Stück, das von tiefer Religiosität geprägt ist, freilich ebenso von sinnlichem Farbenreichtum, hinreißenden Melodien und Arien in bester Belcanto-Manier. Rossini widmete es mit feiner Ironie dem lieben Gott persönlich.

Der Bach-Chor Bonn zelebrierte in der fast bis auf den letzten Platz gefüllten evangelischen Lutherkirche ein musikalisch beschwingtes Christentum, in dem bei aller Ernsthaftigkeit der katholischen lateinischen Texte die irdische Freude an der spirituellen Glückseligkeit dominiert. Mit präziser Herausarbeitung dynamischer Spannungen und chromatischer Finessen dirigiert von Markus Mostert, der 2017 die musikalische Leitung des renommierten Ensembles übernommen hat, das 2019 sein 70-jähriges Bestehen feiert.

Rossinis im Auftrag eines befreundeten französischen Adeligen komponierte Messe sieht im Original als Instrumente nur Klavier und Harmonium vor.

An Letzterem lieferte Christoph Lahme zarte Zwischentöne; ein wenig robust klang der Flügel, gespielt von Annette Willer-Krebel, die mit dem "Preludio religioso" zum Offertorium ein berührendes Solo lieferte.

Zwischenbeifall gab es schon nach dem fulminanten langen "Gloria" für Chor und Soli. Die schlanke elegante Bass-Stimme von Frederic Wörth überzeugte bei allen Auftritten ebenso wie das üppige lyrisch-dramatische Tenorvolumen von Thomas Heyer. Die emotional ergreifendsten Partien haben freilich die weiblichen Stimmen.

Die junge Sopranistin Jana Maria Grupp und die famose Altistin Astrid Bohm glänzten schon im Duett "Qui tollis peccata mundi" und setzten mit ihren Soli im "Sanctus" und "Agnus Dei" schöne Schlussmomente.

Echt verdiente Bravi erhielt der große Bach-Chor, der mit fabelhafter musikalischer Präsenz den theatralen kirchlichen Lobgesang zu einem beglückenden Ereignis machte. Hier stimmte alles von den subtilen Gefühlsregungen bis zum brausenden Jubelsturm.

Rossinis Herzensangelegenheit haben sie zu ihrer eigenen gemacht und bewiesen, dass man gern auch nachdenklich vergnügt mit nur scheinbar alten Ritualen umgehen kann.

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