Lit.Cologne 2016: Hier soll Sprache Brücken bauen

Lit.Cologne 2016 : Hier soll Sprache Brücken bauen

Zum 16. Festival gab sich nun erstmals ein Kölner Stadtoberhaupt die Ehre. Lit.Cologne-Macher Rainer Osnowski sieht in Henriette Rekers Besuch der Programmvorstellung "ein Zeichen für den Stellenwert, den Kultur in Ihrer Amtszeit vielleicht erreichen kann".

Das "16. Mal" (8. bis 19. März) steht im Zeichen des Flüchtlingsthemas. "Wir vertrauen auf die Kraft der Sprache", sagt Osnowski. Und die Ex-Sozialdezernentin, im Wahlkampf von einem fremdenfeindlich motivierten Attentäter niedergestochen, sekundierte: "Es ist ganz wichtig, dass Flüchtlinge unsere Kultur kennenlernen, wir aber auch die ihre." Ohnehin findet sie das Festival "ganz großartig - nicht nur als Wirtschaftsfaktor, sondern weil man durch das Lesen ganz andere Welten erfahren kann".

An zwölf Tagen sind 189 Veranstaltungen im Programm, und der größte Anteil an den 115 000 Karten entfällt am 17. März auf den Benefiz-Abend zugunsten der Til Schweiger-Foundation. Dann machen sich in der Lanxess-Arena Annette Frier, Wladimir Kaminer, Frank Schätzing sowie Cro, Nina Hagen unter anderem das Motto "Auch Ihr seid jetzt Deutschland" zu eigen.

Auch der eigentliche Auftakt (nach der Hörspielpreis-Gala) steht am 9. März im Zeichen des Themas: Geiger Daniel Hope spürt mit Iris Berben dem Schicksal deutscher und jüdischer Emigranten in Hollywood nach. Und Michael Köhlmeier leiht (11. 3.) einem Mädchen seine Stimme, das zu Hause alles verloren hat und nun in der Fremde eine neue Heimat sucht.

Am nächsten Tag wird dann eine 200 Jahre alte Fluchtgeschichte neu erzählt: Hänsel und Gretel. Wobei sich Eva Menasse, Clemens Meyer, Adriana Altaras und Cordula Stratmann ein neues Ende des Märchens ausdenken.

Als deutschsprachige Star-Autoren kommen Martin Walser (10. 3.), Thomas Glavinic (14. 3.) und Peter Stamm (15. 3.) mit neuen Romanen an den Rhein, während Benjamin von Stuckrad-Barre in "Panikherz" von Ruhm, Absturz und seinem Retter Udo Lindenberg erzählt (16. 3.). Ein spannendes Comeback.

US-Krimigigant Don Winslow hat sich mit "Germany" nachnominiert, er liest (was das Programmheft noch verschweigt) am 17. März auf der MS RheinEnergie. "Wolkenatlas"-Autor David Mitchell stellt mit Katja Riemann sein neues Opus "Die Knochenuhren" vor (15. 3.), William Boyds "Die Fotografin" wird am Tag darauf vom Verfasser und von Schauspielerin Maria Schrader präsentiert. Und Erica Jong bekennt gegenüber Suzanne von Borsody, dass sie inzwischen nicht mehr "Angst vorm Fliegen", sondern "Angst vorm Sterben" (17. 3.) hat.

Wer nicht bis März warten will, kann schon am 18. Februar zur Lesung des türkischen Nobelpreisträgers Orhan Pamuk aus seinem Roman "Diese Fremdheit in mir" in den WDR kommen.

Das Finale im Dom hat Tradition, diesmal konfrontieren Jasmin Tabatabai, Katharina Thalbach und Gustav Peter Wöhler das "Hohelied" der Bibel mit persischer Liebeslyrik. Aparte Begegnungen gibt es zwischen Rammstein-Keyboarder Flake und Helge Schneider (16. 3.) sowie Tocotronic-Hirn Dirk von Lowtzow und Sophie Hunger (14. 3.). Als neuer Ort ist dank 1. FC Köln-Stiftung die Tribüne des RheinEnergie-Stadions dabei, wo Thomas Grimm, Fritz Pleitgen und Peter Lohmeyer am 15. 3. an den "Kracher von Moskau", einen deutsch-russischen Freundschaftskick von 1955, erinnern.

Die beliebten Themenabende gelten unter anderem schimpfenden Dichtern, nervigem Besuch, "Frankenstein" oder der "Poesie des Aufreißens und Anbandelns".

Nur einer wird schmerzlich vermisst: der an Krebs erkrankte Roger Willemsen, dem das Festival baldige Genesung wünscht.

Karten gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.

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