Haus der Geschichte in Bonn: Fotos von Hans-Jürgen Burkard In U-Bahn-Galerie

In der U-Bahn-Galerie : Haus der Geschichte zeigt Fotos von Hans-Jürgen Burkard

Der Fotojournalist Hans-Jürgen Burkard liebt es, lebendiges Gewusel einzufangen. Ergebnisse seiner Arbeit sind jetzt in der U-Bahn-Galerie des Hauses der Geschichte in Bonn zu sehen.

Deutsche Fußballfans beim Rudelgucken zur Fußball-WM 2014 in der „Alten Försterei“, dem Stadion des 1. FC Union Berlin, Uniformierte der „Kölsche Funke Rut-Wiess vun 1823 e.V.“ beim gemeinsamen Frühstück vor dem Rosenmontagszug, Punks, die vor dem „Nischel“, dem Karl-Marx-Monument in Chemnitz feiern: Der Fotojournalist Hans-Jürgen Burkard liebt es, Charakteristisches einzufangen, mag offenbar das lebendige Gewusel unter Gleichgesinnten, in dem sich der Deutsche wohlzufühlen scheint, ob Narr oder Punk.

Zu sehen sind Fotos des ehemaligen „Stern“-Reporters in der U-Bahn-Galerie des Hauses der Geschichte, die traditionell fotografierte deutsch-deutsche Befindlichkeiten zeigt. Neu ist die Präsentationsform: Statt die Fotos in den tristen Vitrinen zu zeigen hat man Burkards exzellente Farbfotos zum Plakatformat aufgeblasen und damit gewissermaßen die U-Bahn-Passage tapeziert. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Eigentlich bräuchte die Ausstellung noch eine Tonspur, um komplett zu sein.

Denn Burkards Schau, die Teil des Langzeitprojekts „An Tagen wie diesen“, das den Fotografen zehn Jahre lang durch Deutschland treiben ließ, konfrontiert seine einprägsamen Bilder mit Liedtexten. Es entstehen so fesselnde, atmosphärische Stimmungsbilder. Da wird der Wattpostbote Knud Knudsen, der die Post  von der Insel Pellworm zur Hallig Süderoog trägt, allein vor einem tollen Küstenpanorama gezeigt. Dazu der Text von Nenas „Leuchtturm“: „Ich geh’ mit dir wohin du willst/ Auch bis ans Ende dieser Welt...“ Wer summt da nicht die Melodie. Zum Foto der „Beecker Kirmes“ im satten Grün in Duisburg stellt Burkard den Text der Hymne „Tage wie diese“ von den Toten Hosen. Es ist ein sehr poetischer Zugang zu dem Land, das er bereist hat und das er mit wachem Blick beobachtet. Wir sehen bizarre Dinosaurier-Skulpturen in einem Vorgarten in der Gemeinde Rhauderfehn, Niedersachsen, eine lebenslustige, mondän gekleidete Dame mit Hut beim Galopprennen „Deutsches Derby“ in Hamburg und Claudia, die ihr Yogaprogramm auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof in Berlin durchzieht. Wunderschön.

Burkard, 1952 in Lahnstein geboren,  kann auch anders (was in der Ausstellung nicht zu sehen ist): Bei den Krawallen rund um den G20-Gipfel in Hamburg sei er gezielt von der Polizei angegriffen worden, sagt er. Er setzte sich zur Wehr und gab dem „Stern“ ein Interview, bei dem er unter anderem seine Rolle sehr schön definierte: „Ich bin ja schon etwas älter. Habe Wackersdorf, Brokdorf, Kalkar etc. als junger Fotograf erlebt. Habe rund 50 große ’Stern’-Reportagen fotografiert und war auch in Kriegen und Konfliktgebieten wie im Sudan, in Tschetschenien, im zerfallenden Jugoslawien. Kollegen und Freunde vom ‚Stern’, der Fotograf Volker Krämer, die Journalisten Gabriel Grüner und Jochen Piest, mit denen ich zusammenarbeitete, sind dabei in ihrer Berufsausübung ermordet und erschossen worden. Da werde ich schon einmal böse, wenn Leute von Berufsrisiko sprechen und sagen ‚dann geh halt nicht hin‘. Das ist unser Beruf, das mache ich seit fast 40 Jahren mit Herzblut. Ich bin kein frischer Hase, der jammert, weil er mal nass geworden ist.“’

Die Ausstellung „In unserem Land. Fotografien von Hans-Jürgen Burkard“ ist bis Herbst 2020 in der U-Bahn-Galerie des Hauses der Geschichte zu sehen.

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