Haus der Geschichte Bonn: Neues Schaudepot eröffnet

„Leukoplastbomber und Ampelmännchen“ : Haus der Geschichte eröffnet neues Schaudepot

Eine Laune der Automobiltechnik möchte man bei diesem Gefährt vermuten, bei dem zunächst nicht zweifelsfrei geklärt zu sein scheint, wo vorne und Hinten ist, wo Fahrer und Passagier sitzen. Ja selbst das Besteigen des schlanken Gefährts stellt vor Rätsel: Wo sind die Türen?

Zwei identische Klappen öffnen sich vorne und hinten, das Platznehmen ist nur für sportliche Menschen - zwei vorne, zwei hinten - zu empfehlen. So sieht es aus, wenn Flugzeugbauer Autos entwerfen.

Der Zündapp Janus von 1957 ging auf den Prototyp Dornier Delta von Claudius Dornier zurück. Ein Renner war der Kleinstwagen mit seinen 10,3 kW nicht eben, auch kein Erfolgsschlager - die Fondpassagiere wurden mit dem Rücken zur Fahrtrichtung durch das Wirtschaftswunderland chauffiert: Nach nur einem Jahr und 6902 Exemplaren wurde die Produktion des janusköpfigen Automobils gestoppt. Es war schlicht zu teuer: Zwar schlug die Heizung als Extra mit nur 40 D-Mark zu Buche, unterm Strich kostete der Janus jedoch fast so viel wie ein Standardkäfer (3790 D-Mark).

Neues Schaudepot folgt Philosophie des Sammelns

Der Zündapp Janus ist eines der raren Schätzchen einer Ausstellung im neuen Schaudepot des Hauses der Geschichte vis-à-vis des Haupthauses im ehemaligen Informationspavillon des Bundespresseamtes. Bei der Eröffnung von "Leukoplastbomber und Ampelmännchen. Geschichte in Objekten" wies Hans Walter Hütter, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte und erklärter Autonarr, auf den sonderbaren Charakter der Präsentation hin.

Während es bei Ausstellungen um eine Inszenierung von heterogenen Exponaten gehe, um ein bestimmtes Thema zu illustrieren, folgt der Blick ins Schaudepot eher der Philosophie des Sammelns: Auto-Plakate hängen dicht an dicht, wunderbares Metallspielzeug steht gedrängt mit den zugehörigen Verpackungsschachteln im Regal, historische Mopeds sind ebenso gruppiert wie Fahrräder oder Straßenschilder.

Highlights aus der Sammlung zum Thema Mobilität

Kurator Hans Joachim Westholt hat Highlights aus der Sammlung zum Thema Mobilität - vom raumgreifenden Opel Kapitän mit einem Zeppelin als Kühlerfigur bis zum Ostberliner Ampelmännchen - zusammengetragen. 400 Objekte sind zu sehen und spiegeln alle Facetten aus 70 Jahren Mobilität der Republik. Das Haus der Geschichte profitiert bei der Schau von den Erfahrungen mit der sehr erfolgreichen Ausstellung "Geliebt. Gebraucht. Gehasst. Die Deutschen und ihre Autos" (März 2017 bis Januar 2018) und der nicht minder populären Serie von Depotbesuchen - Titel: "Objekte im Dunkeln" - 2017 während der durch die Dachsanierung erforderlichen Schließung der Dauerausstellung.

Zündapp & Co.: Mobilität auf zwei Rädern. Foto: Benjamin Westhoff

Der Fetisch Auto und der Slogan "Freie Fahrt für freie Bürger" spielt in der neuen Schau ebenso eine Rolle wie kritische Ansätze und frühe Versuche einer Ressourcen schonenden Mobilität wie der "Pöhlmann EL", ein Beispiel moderner Antriebstechnik. 1983 wurde das Gefährt vorgestellt, 1986 gewann es den "Grand Prix Formel E" in der Schweiz. Die Ladezeit des windschnittigen E-Pöhlmanns betrug acht Stunden, die Reichweite 120 Kilometer, der Verkaufspreis 108 000 D-Mark. Die RWE, die in der Startphase mit dem Kulmbacher Unternehmen Pöhlmann zusammengearbeitet hatte, zog sich 1985 zurück. Gebaut wurden 18 Stück. Dann war er erstmal vorbei, der Traum von der Elektromobilität.

Opel Kapitän von 1950 ist Star der Schau in Bonn

Star der Bonner Schau aber ist - neben dem mit Leder überzogenen "Leukoplastbomber" Lloyd LP 300, der 1952 mit maximal 75 Sachen über die Straßen der Republik tuckerte - ein majestätischer Opel Kapitän von 1950. Ein Auto wie eine Kathedrale - aus einer Zeit, in der zwischen Automobilität und Klimakatastrophe noch keine Parallelen gezogen wurden. Pechschwarz und chromglänzend, eine Front mit breitem Haifischgrinsen, ausladende Kotflügel, elegante Silhouette, geteilte Heckscheibe.

"Sicherheit wurde damals klein geschrieben", sinniert Hütter angesichts des Interieurs mit fehlenden Kopfstützen und Gurten. Und die Fahrqualitäten unterirdisch: Hütter berichtet von schweißtreibenden Erfahrungen am Lenkrad des mondänen Edel-Opels. "Das war kein Vergnügen."

Ausstellungspavillon gegenüber dem Haus der Geschichte. Dienstag bis Sonntag zu sehen, 9-19 Uhr, Eintritt frei

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