Gutes "böses" Kabarett

Mathias Richling brilliert im Bonner Metropol mit seinem Soloprogramm "Das @ntwort"

Bonn. Endlich einmal Fragen stellen, wo sonst nur bequeme Antworten präsentiert werden - das hat sich Mathias Richling bei seinem 25. Programm "Das @ntwort" vorgenommen. Er wirbelt Themen auf, springt von Terror zu Gesundheitsreform, Einwanderungsgesetz und Euro, von Merkel zu Scharping, von Demokratie zu Homöopathie. Auf der Bühne im Metropol zerrte er allerhand Peinliches, Ärgerliches und Kurioses ins Rampenlicht.

In Zeiten, wo harmlos seichte Comedy regiert, bekommt Richling das Etikett "politisch" mit Zusatz "böse". Geistreich, pingelig und unverfroren trifft es besser. Dabei muss Richling sich nicht anstrengen, um seine Spitzen zu platzieren.

Die Wirklichkeit liefert ihm alle erdenklichen Steilvorlagen, er muss nur noch nachtreten. Und das tut er dann auch. Zum Beispiel beim Bundespräsidenten: "Dass Glück hat nicht jeder, in so angenehmer Atmosphäre seinen Lebensabend zu fristen."

Die Inszenierung stimmt, besteht nicht allein aus Wort. Richling gibt Stoiber und Co genauso gekonnt wie den Spießbürger von nebenan. Nur Rau klingt bei ihm wie eine Mischung aus Reich-Ranicki und Biolek.

Das Bühnenbild ist wandelbar, zeigt zunächst sämtliche Farben des politischen Spektrums und endet symbolträchtig als Ansammlung grauer Säulen. Richlings Bilanz ist entsprechend düster: "Wir träumen ja Demokratie nur noch mit deutschen Untertiteln, die Originalsprache verstehen wir nicht."

Kaum einer hampelt so konzentriert über die Bühne, plant so minutiös Chaos und Versprecher (der PDS-Spitzel... äh Spitzenkandidat) und ist dabei so aktuell. Das konzentriert Zufällige macht den besonderen Charme von Richlings Soloprogramm aus. Langer Applaus war ihm im Metropol sicher.

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