Staatenhaus in Köln: Giuseppe Verdis "Aida": Das Duo der unglücklich Liebenden

Staatenhaus in Köln : Giuseppe Verdis "Aida": Das Duo der unglücklich Liebenden

Die aktuelle Kölner "Aida", Verdis stimmungsvolles Schlachtross für Ausstatter und Bühnenbauer, hat die Bezeichnung "konzertante Aufführung" zu einem Markenzeichen für Premiumklang veredelt: Das ägyptische Liebesdrama imponierte auch am Rhein.

Während die Archäologen mit modernsten Techniken am Nil versuchen, den Pyramiden die letzten Geheimnisse zu entlocken, verzichtet Köln auf Bild und Regie und setzt auf das, was da ist: Musik auf der Bühne mit einem prächtigen Sängerkader aus Solisten und Ensemble, Musik vor der Bühne mit dem Orchester unter der erprobten Leitung von Will Humburg, und Musik auf und hinter der Bühne von einem ausgezeichnet präsenten erweiterten Opernchor. Eine Guckkastenbühne ermöglicht Auftritte von der Seite und fokussiert den Blick des Publikums auf die angedeutete Szene. Ganz ohne Fanfarenposten auf exponierten Tribünen geht ein Triumphmarsch nicht, der wird festlich präsentiert. Sänger, Musiker und auch der Bote treten grundsätzlich in eleganter Konzertkleidung auf.

Will Humburg, Hamburger mit auch beruflichem Hang nach Italien, ist bekannt für sportlich engagiertes Dirigat. Das lässt sich natürlich jetzt bestens studieren und anerkennen, er schenkt seinem Orchester nicht das kleinste Detail, keine Sekunde beim Angriff auch die nächste Phrase, selbst Verzierung werden mit dem Stab in die Luft gezirkelt. Sein teilweise kleinteiliges Dirigat lässt den Maestro wirklich schwitzen, aber die Tempi sind sicher, die Anschlüsse sitzen, und besonders stimmt der Gesamtklang: Selbst in einer absoluten Tuttistelle mit sechs Solisten, Chor und sattem Orchestersound verschmolz alles zu einem dichten, sehr wohligen warmen Sound - wie abgemischte Studioqualität.

Das funktioniert allerdings nur mit Solisten, die einem Verdi gewachsen sind. Trotz oder wegen zwei krankheitsbedingten Umbesetzungen zur Premiere trat hier eine Mannschaft an, die bis in die Spitzen Durchschlagskraft und stilistisch stimmige Farben aufbieten konnten.

Das gilt für die seit einigen Jahren in Köln unter anderem als Tosca gefeierte amerikanische Sopranistin Adina Aaron, die als äthiopische Sklavin Aida bereits mit Will Humburg in Köln debütierte. Sie bildet mit Dalia Schaechter (Amneris, ägyptische Königstochter), seit zwanzig Jahren an Kölns Oper aktiv, das Duo der unglücklich Liebenden, das in hochdramatischen Duetten die Lage diskutiert: aussichtslos, versteht sich. Den Geliebten Radamés sang jetzt in Vertretung Kamen Chanev, ein Bulgare, der gleich zur Eröffnung in "Celeste Aida" seine Liebe bekennen dürfte, in dichter warmer Linie, mit bruchlos aufschwingender Höhe und obertonreichem Glanz: ein tolles Hausdebüt in Köln.

Amonasro, gefangener Vater Aidas, fand im georgischen Bariton Lado Ataneli eine kräftige Stimme, Nikolay Didenko als klangmächtiger Oberpriester Ramfis verhinderte dessen Freilassung. Regina Richter und Taejun Sun ließen aufhorchen, der Kanadier Robert Gleadow debütierte in Köln erfolgreich als König, den Chor hatte Andrew Ollivant bestens eingestimmt, und der Klang war - nochmals betont - brillant. Aida und Radamés vergingen am Ende wie gewohnt als eingemauertes Liebespaar - und werden vielleicht irgendwann mit Lasertechnik entdeckt.

Weitere Aufführungen am 11. und 19. Dezember. Karten unter anderem in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen

Mehr von GA BONN