Oper in Bonn: "Giulio Cesare in Egitto": Spannend bis zur letzten Arie

Oper in Bonn : "Giulio Cesare in Egitto": Spannend bis zur letzten Arie

Konzertante Aufführung von Georg Friedrich Händels „Giulio Cesare in Egitto“ in der Bonner Oper. Solisten überzeugen.

Das Neujahrskonzert in der Oper Bonn war immer ein Erfolgsgarant: Die Hütte war brechend voll, die Stimmung bei Publikum wie Musikern mehr als großartig, die Musik einfach nur zum Niederknien. Seit einigen Jahren nun ist es vorbei mit dem spritzigen Musikcocktail zum Jahresanfang, Oper konzertant steht auf dem Programm, in diesem Jahr Georg Friedrich Händels „Giulio Cesare in Egitto“. Nun treffen Barockopern – so schön sie sind – nicht jedermanns Geschmack.

Das tut naturgemäß keine Oper, doch war in der gut gefüllten aber bei Weitem nicht ausverkauften Bonner Oper zu beobachten, dass die schnell gleichförmig wirkende Abfolge von handlungstragenden Rezitativen und Gefühle schildernden Arien selbst für kulturbeflissene Operngänger mitunter eine Herausforderung sein kann.

Immerhin musste man Wolfgang Katschner als Dirigenten des Abends durchaus dankbar dafür sein, dass er Händels seinerzeit überaus erfolgreiche Oper um rund eine Stunde zusammengestrichen, die wesentlichen Handlungsstränge dabei aber beibehalten und auf publikumsfreundliche zweieinhalb Stunden netto gebracht hat. Musikalisch war der Abend ohne Einschränkung von der ersten bis zur letzten Sekunde spannend.

Katschner, von Hause aus Lautist und als Leiter unter anderem der lautten compagney vorwiegend auf dem Gebiet der historisch informierten Aufführungspraxis unterwegs, hatte das Beethoven Orchester gut präpariert. Das hat ja schon einige Erfahrung, wenn es um die Zusammenarbeit mit Dirigenten wie Katschner geht, was sich bei Opern wie dieser immer wieder auszahlt.

Man spielte mit entschlacktem, sensiblem Ton, ohne Breitbandvibrato und sonstige Manierismen. Dafür befleißigte man sich eines gepflegten Non-legatos und phrasierte sensibel, wenn auch nicht so überpointiert wie manche Vertreter historisch informierter Spielweisen.

Insgesamt aber erfuhr Händels Musik eine überaus lebendige Wiedergabe, nicht zuletzt aufgrund der ausgezeichneten Solisten, die teils aus den Reihen des Orchesters kamen, teils – wie etwa die exzellenten Corni da caccia oder der Cembalist, für diese Oper engagiert wurden, und über die sich der Programmzettel leider ausschwieg. Die Sänger des Abends überzeugten durchweg, allen voran der Countertenor Terry Wey als Cäsar, der mit seiner technisch wie musikalisch wirklich sensationellen Stimme Unglaubliches leistete.

Aber auch Katrin Leidig als Sextus, Sumi Hwang als Kleopatra, Owen Willets als Ptomeläus, Ceri Williams als Cornelia und Giorgos Kanaris als Achillas sowie Daniel Pannermayr als Curio bestachen durch eine ausgezeichnete stimmliche Präsenz aus.

Besonders beeindruckte Manon Blanc-Delsalle, die sich im Rahmen der Kooperation der Bonner Oper mit der Hochschule für Musik und Theater in Köln in der Partie des Nireno mit einer sauber geführten und sehr flexiblen Sopranstimme empfahl.

Weitere Termine:7. und 28. Januar, 29. März, 15. April

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