Premiere von „Love You, Dragonfly“: Geschichten voller Glaubensfragen

Premiere von „Love You, Dragonfly“ : Geschichten voller Glaubensfragen

Fritz Katers „Love You, Dragonfly“ feiert am Freitag (7. Oktober) Premiere in den Kammerspielen. Regisseurin Alice Buddeberg verrät im Gespräch mit GA-Mitarbeiter Thomas Kölsch, welche Botschaft hinter der Inszenierung steckt.

Eigentlich geht es nicht um Religion. Sondern um Werte. Um Familie, um Liebe, um Identität. An jene Grundsätze menschlicher Existenz, an die man auch in schlimmen Zeiten zu glauben versucht. Der (fiktive) Autor Fritz Kater, Alter Ego des Regisseurs Armin Petras, spürt diesen Ideen in den sechs Episoden seines Stücks „Love You, Dragonfly“ nach, das am Freitag in den Kammerspielen Bad Godesberg in einer Inszenierung von Alice Buddeberg uraufgeführt wird. „In gewisser Weise sind die einzelnen Geschichten Versuche, neue Mythen zu kreieren“, erläutert diese im Interview. „Wir wollen damit etwas über unsere Gesellschaft erzählen, die gewisse Definitionen verloren zu haben scheint. Ich erinnere mich, dass im vergangenen Jahr mit Blick auf die Flüchtlinge mal gefragt wurde, worin wir diese eigentlich integrieren wollen.“

Buddeberg, die seit 2013 Hausregisseurin am Theater Bonn ist und unter anderem schon für Thomas Melles „Bilder von uns“, Shakespeares Königsdramen und Goethes „Faust“ verantwortlich zeichnete, interessiert auch das Erzählen an sich. „Ich suche nach jenem Punkt, an dem die Geschichte so dicht wird, dass man vom Erzählen ins Spiel eintaucht“, erklärt sie. Katers Stück bietet ihr in dieser Hinsicht jede Menge Möglichkeiten, treffen doch voneinander unabhängige Handlungsstränge mit unterschiedlichen dramatischen Ansätzen und Formen aufeinander. „Ausgangspunkt ist eine Bühne, die wie ein Warteraum eingerichtet ist“, sagt Buddeberg. „Aus dieser Szenerie heraus erzählen die einzelnen Figuren dann ihre Geschichten.“ Etwa der Panzerfahrer, der 1985 an der ukrainischen Grenze im Eis gefangen ist. Oder das 13-jährige Mädchen, das ihren Vergewaltiger zu Gott stilisiert.

Dabei greift Buddeberg bewusst immer wieder zu Ver- und Entfremdungseffekten. „Wenn ich wirklich ein Mädchen oder eine Frau diese Vergewaltigungsgeschichte spielen ließe, würden die Zuschauer die Überhöhung des Täters wahrscheinlich nicht akzeptieren“, glaubt die 34-Jährige. „Deshalb übernimmt Sören Wunderlich das. Er entbindet mich von der Identifikation mit dem Schauspieler – und gerade durch diesen Bruch wirkt die Geschichte umso stärker.“

Premiere: 7. Oktober, 19.30 Uhr, Karten gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Geschäftsstellen.

Mehr von GA BONN