Kölner Philharmonie: Georg Friedrich Händels Oper "Orlando" konzertant am Rhein

Kölner Philharmonie : Georg Friedrich Händels Oper "Orlando" konzertant am Rhein

Während sich außerhalb der Philharmonie alles für König Fußball interessierte, hatte es Königin Angelica drinnen ein bisschen schwerer. Die Liebesverwirrungen, die sie in Georg Friedrich Händels Oper "Orlando" zu bestehen hat, hätten ruhig auf ein bisschen mehr Publikumsinteresse stoßen können.

Mag auch sein, dass die insgesamt dreieinhalb Stunden Dauer den einen oder die andere abgehalten haben.

Aber das sind nun mal die zeitlichen Margen bei Händels Bühnenwerken, und das braucht es auch, um den komplizierten Plot nach Ariosts Vorlage dramatisch abzuwickeln. Im Schnelldurchlauf: Im 8. Jahrhundert liebt der bretonische Ritter Orlando die chinesische Königin Angelica, die ihrerseits aber den maurischen Prinzen Medoro bevorzugt, was beim düpierten Titelhelden heftige Eifersuchtsraserei auslöst. Die heilt der Magier Zoroastro, der den Recken weg vom zerstörerischen Wahn und zurück auf die Bahn des edlen Kriegswesens lenkt. Happy End nach viel globaler Exotik.

Wenn dem Ganzen trotz angedeuteter Handlungsreste die Inszenierung fehlt, muss es musikalisch umso mehr stimmen, um das Publikum bei der Stange zu halten. Mit René Jacobs stand einer der führenden Fachleute der Alten Musik am Pult des historisch besetzten "B'Rock Orchestra" aus Gent, einer mit Gründungsjahr 2005 noch recht jungen Initiative, die ausgesprochen souverän mit Händels Partitur umging.

Gleiches gilt für die Vokalsolisten. "Senesino" hieß der Star der Londoner Uraufführung 1733, ein Kastrat mit Mezzo-Lage. Bejun Mehta, einer der aktuell angesagten Countertenöre, musste als Orlando folglich nicht bis in die allerhöchsten Höhen hinauf. Strahlende Koloratur-Virtuosität blieb noch genug übrig, über der Mehta den emotionalen Teil seiner Partie nicht vernachlässigt hat. Die Stimmungswechsel zwischen beidem sind schnell getaktet, was die Sache kompliziert macht.

Große Zustimmung für die Sopranistin Lenneke Ruiten (Angelica), die schöne Virtuosität und stimmliche Wärme apart kombinierte. Kristina Hammarström in der Hosenrolle des Medoro überzeugte durch ihren sicher geführten Alt.

Die Schäferin Dorinda gab die Sopranistin Sunhae Im, technisch lupenrein, ausdrucksmäßig vielleicht eine Nuance unterkühlt. Der Bass Konstantin Wolff (Zoroastro) blieb in der Tiefe etwas blass, die Stärken seiner relativ schlanken Stimme liegen eher in den höheren Registern. Eine unbedingt hörenswerte Aufführung.