Arp-Museum: Gelungene Ausstellung des Stararchitekten Richard Meier zum Jubiläum

Arp-Museum : Gelungene Ausstellung des Stararchitekten Richard Meier zum Jubiläum

Am Freitagmorgen ist er aus New York eingeflogen, den Jetlag hat er noch in den Knochen, und nach zwei Hüftoperationen geht der Stararchitekt am Stock. Aber Richard Meier, der in wenigen Tagen 78 wird, zieht neugierig durch sein vor fünf Jahren eröffnetes Arp Museum in Rolandseck und strahlt: "Es ist, als sei ich nie weg gewesen, das Museum wirkt wie neu."

Geduldig, charmant und fundiert beantwortet der groß gewachsene Herr mit der weißen Mähne die Fragen der vielen Pressevertreter - und er öffnet sein Herz: "Ich habe hier Dinge gefunden, die ich 40 Jahre nicht mehr gesehen habe, es ist wie bei einem Familientreffen. Ich bin sehr bewegt und dankbar."

Das Arp-Museum hat Meier zum Jubiläum eine Retrospektive eingerichtet, die mehr als eine bloße Werkschau über ein gut 50 Jahre umspannendes Oeuvre ist, das Architekturgeschichte geschrieben hat. Die Schau versucht vielmehr, das System Meier zu analysieren und zu erklären, sowie mit einer Fülle von Fotografien, Zeichnungen, Modellen und Dokumenten nachzuweisen, was Kuratorin Sylvia Claus fast als Motto in den Raum stellt: "Richard Meier ist heute aktueller denn je."

Der Nachweis gelingt mit einer nach den für Meiers Werk bestimmenden Kategorien Ort, Licht, Farbe, Weg, Proportion und Kontext gegliederten Schau. Sie ist anspruchsvoll, komplex, zugleich auch sinnlich, weil sie mit atmosphärischen Großfotos neben dem rein Architektonischen die Elemente mitspielen lässt, die Meier wichtig sind: Licht und Natur, die im neutralen Weiß der Wände und Säulen ihren Dialogpartner finden, weite, lichte Räume, die zum Verweilen oder Durchschreiten einladen, schließlich ein skulpturales, künstlerisches Verständnis von Architektur.

Gerade die privaten Häuser, die verschwenderischen Villen verströmen pure Schönheit, Eleganz und eine Ästhetik perfekter Proportionen. Vom frühen Smith House (1965), dem lichtdurchfluteten Saltzman House in East Hampton (1967-1969) und dem Douglas House am Michigansee (1971-1973) bis zur Grotta Residence in New Jersey (1984-1989) reicht das Angebot.

Man lernt Meiers öffentliche Bauten, die Museen in Barcelona, Frankfurt, Baden Baden und Rolandseck, das riesige Getty Center in Los Angeles oder die 2003 in Rom vollendete, expressive Jubilee Church besser verstehen, wenn man die Privatbauten des Meisters durchdrungen hat. Die Ausstellung bringt diese Aspekte sehr geschickt zusammen, verzichtete aber in einem Anflug von kuratorischer Umnachtung auf Legenden und Erklärungen an den Objekten. Die muss man sich mühsam aus einem Heftchen ziehen - bis man die Lust verliert. Ein Jammer, wo doch gerade auch die Lust am Erdenken und Kombinieren von Räumen, am Dialog mit Licht und Natur den Architekten antreibt.

Die Ausstellung präsentiert einen sehr europäischen Amerikaner: Meier hat sich intensiv mit dem Bauhaus und mit Le Corbusier beschäftigt, hat sich mit den römischen Barockkünstlern Piranesi, Bernini und Borromini auseinandergesetzt; Meiers Initiation als großer Architekt öffentlicher Bauten fand in den 1980er Jahren mit dem hoch umstrittenen Stadthaus in Ulm statt - die modernistische Rotunde, gebaut von einem Mitglied der "New York Five" (Meier, Eisenman, Graves, Hejduk und Gwathmey) vis-à-vis des spätgotischen Münsters! Und dann kam Rolandseck.

Eine frühe Radierung von 1990 zeigt ein Art Arp-Museum auf dem Berg, begleitet von einer Ruine. Auf dem Strom schwimmt ein Schiff. Ist Meier ein verkappter Rheinromantiker? Man sieht Pläne, die er dem Initiator der Museumsidee, Johannes Wasmuth, gewidmet hat, Pläne, Modelle aus allen Phasen, Zeichnungen, in denen um Wege und Gestalt gerungen wird. Ein kühner Traum. Der Rest ist Geschichte. Drei Jahrzehnte gingen ins Land, bis der Bau fertig war - Meier blieb am Ball.

Ein Glücksfall, wie sich nicht erst heute herausstellt. Ein weiterer Glücksfall: die Ausstellung eines Weltklassearchitekten in seiner eigenen Architektur zu sehen. Das dürfte einmalig sein.

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